Klägliche Fortschritte für das Seelenheil des gegängelten Autorenlebens

Hund und Mensch nutzen die Möglichkeit, die aufgestaute Energie, vor allem die des Vierbeiners, er ist noch jung und überbordend, wenigstens in Teilen wieder abzubauen. Wir wandeln über den Meeresboden, entlang der ewigen Grenze der Gezeiten. Die Fellnase springt, in Freiheit entlassen, freudig zwischen all dem angespülten Strandgut. Bald schnüffelt er an einem abgerissenen Bündel Algen, um sofort danach den Kadaver eines armen toten Seevogels, der den Wintersturm nicht überstand, zu untersuchen. Letzteres scheitert an dem kläglichen Versuch des Dosenöffners, eine etwaige Wälzaktion zu unterbinden. Die, in allen Grauschattierungen gefärbten Wolken treiben träge über den winterlichen Himmel.

Tage dreizehn und vierzehn:

Der Wintersturm fegt über die Nordsee. Nun aber in einer Kraft, dass sogar mein übergewichtiger Körper kaum mehr dagegen ankommt. Der kleine Hund, als gebürtiger Italiener, ist fellmäßig nicht ausgestattet, einer solchen Naturgewalt standzuhalten. Er friert. Seine Ohren würden ausreichen, eine ganze Trawlerladung frisch gefangene Fische mit einer einzigen Berührung schockgefrieren zu lassen. Dazu kommen unangenehme Hagelschauer mit Körnern, die beinah ein Cent Stück groß sind und in der Tat unangenehm werden, wenn sie auf Kopf, Ohren und Nase treffen.

Tag zehn, an dem ich ausgedehnt spazieren gehe:

Erhol dich, entspann dich, du musst nie wieder. Doch die Unruhe, das Getriebensein von der Hektik des prallvollen Arbeitstages, lässt mich nicht los. Nach der Morgenrunde und einem ausgiebigen Frühstück, ich kaue jeden Bissen mindestens fünfzehn Mal, wenigstens soll das Gedärm das Gefühl bekommen gebraucht und sinnvoll zu sein, außerdem erlange ich auf diese Weise ein Sättigungsgefühl. Überhaupt, auch das ist etwas, das ich erst wieder lernen muss, in Ruhe zu essen und die Dinge, die vor mir auf dem Teller zu liegen kommen, auch zu genießen.

Buchmesse Leipzig

von Caterina di Montebasso Gestern, am Sonntag dem 18.03.2018, war ich das erste Mal auf der Leipziger Buchmesse. Unser verehrtester Dealer hat uns gedungen, ihn zu begleiten. Ich weiß gar nicht mehr womit. Offenbar gingen Folter und Gehirnwäsche so tief, dass wir ihm kommentarlos nachgefolgt sind. Ich könnte mich jetzt seitenweise über die Unbill der Deutschen Bahn auslassen. Ausgesetzte Züge, Verspätungen, unverständliche Durchsagen, die sich anhören, als kämen sie aus einer anderen Dimension. Das Chaos hielt fröhlich Einzug wegen Wintereinbruch mitten im Winter. Gab es einen Brennpunkt? Keine Ahnung, aber wenn nicht, war es auch keine Kriese. Wir beide, Thomas und ich, haben unseren Lebensmittelpunkt in Berlin. Da war es recht schattig und windig. Eigentlich ein Wetter für lange Unterhosen und die Mütze mit dicker Jacke und Handschuhen. Dieser Dresscode ist auf einer Messe, man kraucht den ganzen Tag durch geheizte Hallen, eher die zweite, wenn nicht sogar die dritte Wahl. Man kleidet sich also praktisch und eher frühlingshaft. Hin- und Rückfahrt sollen im Zug stattfinden, da sollte es auch leidlich klimatisiert sein.