… Tag 800Stardate2020,177CaptainslogheyDudewasgeht meines Privattierdaseins …

Und zwischendrin, da tummeln sich all die Insekten, die so wichtig sind für unsere Natur, die Bestäuben, die Samen weitertragen, die so sehr für die Artenvielfalt auf dem gesamten Planeten tun und nie ein Wort des Dankes dafür verlangen. Und ich, das Privattier, darf mittendrin sitzen und mich an dem Summen und Brummen, an dem Huschen und Fleuchen, an dem Suchen und Finden erfreuen. Da ich mich still verhalte, außer dem gelegentlichen Umschlagen einer Buchseite, empfinden mich die keinen Apiformes und Bombus glücklicherweise nicht als störendes Element, so dass ich dem Treiben mit Begeisterung folgen darf.

… Tag 800schwuppsdaistdieIdeedienochebendurchmeinenGeistzuhuschenschienschonwiederweg meines Privattierdaseins …

Ich aber, ich versuche krampfhaft und enttäuscht, diesen Gedanken, jene Epiphanie, die Erleuchtung, den Gedankenblitz in irgendeiner Weise zu rekonstruieren. Doch gelingen will es, nach all den verzweifelten Schlachten, die ich zuvor geschlagen hatte, die mir aufgezwungen wurden, vom Brillenband, der Zugangsmöglichkeit zu meinem eigenen Gerät, dem verwesenden Kadaver aus glanzvollem Alabaster, der einmal meinen geschundenen Corpus darstellte, dem Widerwillen, die meine ach so verzweifelten Aktionen bei dem heimlichen Herrscher, dem Hunde, auslöste, leider nicht mehr.

… Tag 800ochuffeenheiljenSontachlassickdetGrübelnnüsch meines Privattierdaseins …

Da halt ich es doch lieber mit dem alten Fritzen, der sich, ganz lapidar, als ersten Diener seines Staates sah »Hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden«. Die simpelste Beschreibung der Toleranz, die allerorten heut gefordert wird, doch niemand bereit ist, auch nur einen winzigen Funken davon, zu gewähren. Denn die Freiheit des Einzelnen endet nun einmal dort, wo die des Nächsten beginnt.

… Tag 800gehörichdenneigentlichzumaltenEisen meines Privattierdaseins …

Und während ich so über abstruse Formulierungen grübelnd einen weiteren Kaffee direkt in die linke Herzkammer befördere, um das Schlagen, dass endlose, klaglose, niemals vom Organ hinterfragt werdende, aufrecht zu erhalten, um nicht mit dem Gesichte, dieser Fratze, der von der Zeit und all dem Irrsinn, der uns umgibt, zerfurchten Visage, direkt auf die Tastatur zu knallen und eine noch unsinnigere Abfolge aus Buchstaben- und Zahlenkombinationen auf dem Bildschirm zum Leben zu erwecken, beschleicht mit einem Mal ein anderer, divergenter Gedanke das, was gemeinhin als Bewusstsein tituliert wird.

… Tag 800 sogehtsiehindieschöneZeit meines Privattierdaseins …

Doch der Spaß, in einen vordergründig ernsten Sachverhalt, eine kleine absurde Explosion zu implementieren, zu sehen, dass dadurch nicht nur die Semantik, auch die Syntax durcheinanderwirbeln, und dadurch dem Wahnwitz unserer gesamten Existenz ein wenig der Glanz abhandenkommt, ist so viel größer, als sich in kurzen, ja abgehackten Sätzen, gleich einem Cäsarischen »veni, vidi, vici«, auszudrücken.

… Tag 800werfragteigentlichnochdanach meines Privattierdaseins …

Gleich einer Einheit römischer Auxiliarverbände, die Steine schmeißend, grölend, gerne die Visagen bis zur Unkenntlichkeit mit Tönungen verschmiert, den Gegner zu Leib und Leben rückt, wie eine Feuersbrunst, gelegt von tapferen Floriansjüngern, um dem eigentliche Brandherde den nöt’gen Sauerstoff zu rauben, wie eine Finte, eine arge Kriegslist, die dem Verstand vorgaukelt, dass er wohl beschäftigt sei, und doch nichts anderes vollbringt, als den Arbeitsspeicher des menschlichen Betriebssystems vom Müll des Alltäglichen zu bereinigen.

… Tag 800wasmachtmaneigentlichmitderganzenZeit …

Wo war ich? Ach ja, bei dem weiteren Zeitvertreib, der, wie die Jungfrau zum Kinde, mich vor einigen Monaten wieder einholte, überrollte und mich mit der gleichen Faszination umgehend gefangen nahm, wie seinerzeit. Die Fotografie. Vor allem die analoge Form des Einfrierens der Zeit, des Festhaltens des Augenblicks. Die 1/125 sec., die 1/60 sec., der tausendste Teil der klassischen westlichen Zeiteinheit, der ausreicht, um die chemische Reaktion auf dem Triacetatstreifen auszulösen und den Moment einzufangen.

… Tag ichzählschonlangenichtmehrmit meines Privattierdaseins …

Die Biologie, die doch einen großen Teil unserer Verhaltensweisen auszumachen scheint, da auf die Reize, die durch unsere Umwelt unser Gehirn stimuliert wird, die immer gleichen neurologischen, biochemischen und physiologischen Reaktionen folgen, die von uns großspurig als freier Wille definiert werden, und der doch nichts anderes zu sein scheint, als ein Jahrmillionen altes Verhaltensmuster, das sich bewährt hat und demnach immer und immer wieder abgespult wird.

Tag 800jetztistesauchschonegal des Privattierdaseins …

Was aber sollen die Menschen, die draußen in Stadt und Land, auf Feld und Weide, in Wohnung und Home Office gefangen sind, sich nicht von A nach B bewegen dürfen, oder nur, wenn ein triftiger Grund, wie das Hamstern von Toilettenpapier vorliegt, denn sonst ihre großzügig bemessene Zeit verbringen? Es existiert nun mal nur eine begrenzte Anzahl an Filmen und Serien. Und wenn man es richtig anstellt, Multitasking ist in diesem Fall das Motto der Stunde, dann ist man in der Lage, auf Tablett, Handy und dem Computer mindestens drei, in Zahlen 3, wenn nicht mehr Filme oder Folgen einer Serie gleichzeitig in sich aufzusaugen.