Tag vier, an dem ich beinah das gesamte Internet löschte:

Der Alltag startet mit Kaffeekochen, denn ich möchte meiner Frau eine Freude bereiten. Der Hund schaut mich verständnislos aus verschlafenen Augen an, grunzt, dreht sich ein paar Mal im Kreis, um sich dann an der gleichen Stellen mit einem Seufzer niederzulassen und weiterzuschlafen. Seine ganze Körperhaltung drückt aus, komm ja nicht auf die Idee, jetzt schon rauszugehen.

Alles Quatsch

... Siegtor Siegtorsohn scrollte durch die Seiten von Youporn und Redtube, fand aber zu seiner Enttäuschung nichts, wozu er nicht schon dutzendmal, angestrengt, gearbeitet hätte. Immer währende Eintönigkeit. - wahrscheinlich zwei - Die herrschte auch tief unten, auf dem Planeten, um den das groteske, wirklich bizarre, Raumschiff, das jeden, der es von Nahem sah, augenblicklich würgen ließ, seine Bahnen zog (Der Satz ist verschachtelt, soll so sein und ist wahrscheinlich in irgendeiner Sprache auch grmtli, gramitaka, grematu ... egal, richtig).

Tag zwei, an dem ich versuche, meine Zeit sinnvoll zu nutzen:

Ha! Berufsverkehr am Morgen. Ich bin auf dem Weg zum Autoschrauber und komme in Zeitnot. Oh Wonne, welch herrliches Gefühl, da bist du endlich wieder, Termindruck, mein jahrelanger Begleiter. Stolz schaffe ich es sogar, ohne Verspätung in der Werkstatt vorzufahren. Schon nach einer viertel Stunde sind die Sommerreifen abmontiert und die Winterräder auf den Naben. Der Meister hat irgendwie keine Zeit für ein ausuferndes Gespräch und komplimentiert mich höflich aber bestimmt aus seinem kleinen Büro. Auf dem Rückweg, in befinde mich glücklicherweise noch immer im Stau, kann ich sieben wichtige Telefonate führen.

Buchkauf

Ups, i did it again. Ja ich habe es schon wieder getan. Nein nicht das, was Britney Spears in ihrem Erstlingswerk so vollmundig über den Äther tönte, sondern einen Großeinkauf, via fernmündliches Netzwerk, beim Dealer meines Vertrauens, dem Händler der neumodisch bedruckten Papyri und in Leder gebundener Folianten. Auslöser war das Fernsehen. »Wir habe zwar gar keine Fernsehe, Signora«, wie es mal vor vielen Jahren in der Flimmerkiste hieß, ab er es gibt die Mediathek. Meine geliebte Ehefrau, die beste Ehefrau von allen, hatte gestern Nacht, derweil sie ihr obstgebeuteltes Notebook bearbeitete, in der Mediathek der ARD einen Krimi entdeckt, einen besonderen Krimi. Da sie sich meiner durchaus erinnert, auch wenn ich um diese nachtschlafende Zeit längst in Morpheus Armen weilte, unterbrach sie die Ergötzlichkeit und führte sie mir heute Morgen, beim feudalen Male, vor. Was haben wir gelacht, uns amüsiert und sind gebannt den bewegten Bildern auf dem Bildschirm gefolgt. Oben genanntes deutsches Quotenfernsehen für das Bildungsbürgertum sucht ja nun seit Jahren einen Nachfolger für »Mord mit Aussicht«.

Alles Quatsch

- Noch immer 1 - ... Tiefer Stumpfsinn umfing ihn wieder, nur unterbrochen von dem Quietschen und Quatschen. Dann machte er sich in seinen Uniformtaschen, phlegmatisch, auf die auf die Suche nach neuem Blättchen und Stoff. Da er kein´s von beidem fand, beendete er die Expedition in den Untiefen seiner Kleidung tief enttäuscht. Der bathische Ton steigerte sich stetig zu einem Crescendo. Seit über vierhundert Jahren saßen Siegtor und Heimtor gelangweilt auf ihrem Beobachtungsposten. Nur in den letzten zwei Dezenien war der eintönige Job kurzfristig spannend geworden. Die Menschheit hatte das Internet erfunden. Sie wusste nichts Besseres damit anzufangen, als Pornos, private und kommerzielle, um den Planeten zu jagen, und Katzenvideos.

Tag eins, meines selbst gewählten Rentnerdaseins:

von Thomas Günter: Es ist jetzt dreizehn Uhr zweiundzwanzig. Zum fünften Mal lasse ich auf meinem Computer einen Virusscan durchlaufen. Der Letzte fand vor einer halben Stunde statt und es hat sich, erstaunlicherweise, nichts geändert. Nach annähernd Dreißig Jahren in der Gesundheitsdienstleistung treiben die innere Uhr und vor allem die Unruhe mich vorwärts. Offenbar vergisst oder verlernt man, nach einer so langen Periode, in der man andauernd gegen die Zeit arbeitete, diese zu genießen. Zwar ist noch eine Menge Verwaltung zu erledigen, bis alles endgültig abgewickelt ist, dies passiert jedoch in kleinen Häppchen.

Kälte und der Friseur

Im Grunde weiß ich gar nicht, was ich heute schreiben soll. Die Nachrichten geben auch nix her. Nur Leid und Tod, nur wüste Beschimpfungen und gegenseitiges Herunterputzen. Das ist auf Dauer enervierend und zieht einen nur runter. Ich könnte darüber berichten, wie der kleine Hund mich beinah erwürgt hat, das wäre spaßig. Ich spreche nicht vom Italo Lappen, denn wir werden von zwei Hunden besessen, dem Großen und ner kleinen, süßen Motte. Ein Dackel-Terrier-Spitz-Mix.

Pilotfilm Teil 2

Rentnerbank

So wuchs die Idee in mir der Wunsch, langsam aber gewaltig, mein Leben zu verändern. Raus aus der ewigen Tretmühle, selbstbestimmt und vor allem, mit einem freien Bewusstsein. Nicht mehr eingezwängt in die Regularien einer Tätigkeit, die mich nicht nur anödete, sondern sogar begann, meine Gesundheit negativ zu beeinflussen. Also beschäftigte ich mich mit dem Thema Escapismus, ja mit einem C. Also nicht in seiner klassisch, psychiatrischen Bedeutung, da wird es mit K geschrieben und bedeutet ebenfalls Flucht, aber in irreale Welten unter Verkennung der Realität. Also ein bisschen in der Art: Der HSV bleibt in der Bundesliga (Hier stirbt die Hoffnung zuletzt, denn in meinen Jahrgängen wünscht man sich Kevin Keegen, Horst Hrubesch und die Bananenflanken eines Manni Kaltz zurück) Soll der Dino wirklich bleiben? Ich weiß es nicht. Ich bin so zerrissen!

Blu-ray kaputt?

Blu-ray kaputt? von Caterina di Montebasso und Thomas Günter Unser Buchdealer findet Alles toll, was wir beide so schreiben und zu Papier bringen. Das muss er auch, sonst kauften wir keine Pamphlete mehr in seinem schnuckeligen Laden. Der Link zu seinem, in Berlin, wenn nicht auf der ganzen weiten Welt, der Föderation, dem klingonischen Imperium, Dem Imperium, dem Zylonenreich und der galaktischen Republik, einzigartigen, wunderbaren Geschäft, finden sie unter dem Begriff Dealer. Aber wenn ein kleiner Hund und ein dicker Bauch den Laden betreten, dann werden die Ausdehnungen von Zeit und Raum gesprengt. Leider! Die Bücherstapel beginnen bedrohlich zu schwanken, der Leim, der das gesamte Universum verklebt, droht aufzureißen und ein weiterer Kunde könnte das Geschäft nurmehr betreten, wenn er sich auf zwei Dimensionen zusammenfaltete.

Pilotfilm

Rentnerbank

Von Einem der auszog und sein Leben umkrempelte. Ich bin jetzt dreiundfünfzig Jahre alt, glücklich verheiratet, die Kinder sind aus dem Gröbsten heraus und stehen auf eigenen Beinen. Es stellt sich die Frage, was tun mit meinem Leben? Den Begriff Midlife-Crisis weise ich weit von mir, denn schon lange schlummert der Gedanke in meinem Kopf, dass eine Sache in meinem Leben grundsätzlich falsch gelaufen ist. Als Kind des Berliner Bildungsbürgertums, geboren in den sechziger Jahren, die Eltern beeinflusst und erschreckt durch die Studentenunruhen, hat man etwas Ordentliches, etwas Reelles zu erlernen und zu studieren. Flausen wie Kreativität wurden, wenn überhaupt akzeptiert, verbissen in Bahnen gelenkt und kanalisiert, so dass ein gebührender und ehrbarer Beruf dabei herausspränge. Schon als Kind habe ich mir, noch bevor ich schreiben konnte, Geschichten ausgedacht und vor allem erzählt.