… Tag800irgendwasSternzeit2020,196Captainslogmeines Privattierdaseins …

Selbst in einer Zeit, wie dieser, die uns zwingen möchte, Althergebrachtes zu überdenken, zu hinterfragen und danach dennoch ungebremst, weiter in unserer eigenen Hybris versinkend, es in jeder Beziehung noch tolldreister zu treiben als zuvor, scheint der Wunsch der Menschheit, in der Sommerfrische das uneingeschränkte Recht auf Party, auf Vergnügen, Zerstreuung jedweder Genese, auf Sonnenbrand, Selbstverstümmelung des feinen Zellgeflechts der Leber sowie eine das gesamte Mittelmeer, die Nord- und Ostsee überdeckende, mehrere Zentimeter dicke, das Leben darunter erstickende Schicht aus Sonnencreme zu erzeugen, ungebrochen.

Trauriger Urlaub

Ja, ich gestehe. Es ist eine Sünde. Zwar keine Erbsünde und nachfolgende Generationen müssen sich auch nicht bis ins 37te Glied Asche auf ihr Haupt träufeln und sich von der Weltbevölkerung vorwerfen lassen, dass ihre Altvorderen, also ich und der Hund, der zweite Hund und die geliebte Ehefrau (die Allerbeste von Allen!), so wagten, zu handeln, dennoch ist es, und da beißt die Maus kein Faden ab, eine Sünde.

Klägliche Fortschritte für das Seelenheil des gegängelten Autorenlebens

Hund und Mensch nutzen die Möglichkeit, die aufgestaute Energie, vor allem die des Vierbeiners, er ist noch jung und überbordend, wenigstens in Teilen wieder abzubauen. Wir wandeln über den Meeresboden, entlang der ewigen Grenze der Gezeiten. Die Fellnase springt, in Freiheit entlassen, freudig zwischen all dem angespülten Strandgut. Bald schnüffelt er an einem abgerissenen Bündel Algen, um sofort danach den Kadaver eines armen toten Seevogels, der den Wintersturm nicht überstand, zu untersuchen. Letzteres scheitert an dem kläglichen Versuch des Dosenöffners, eine etwaige Wälzaktion zu unterbinden. Die, in allen Grauschattierungen gefärbten Wolken treiben träge über den winterlichen Himmel.

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Ostfriesische Teestunde

Eintlisch, wie der Berliner sagt, sollte an dieser Stelle ein Bericht, eine Beschreibung und Erklärung der Ostfriesischen Teezeremonie auftauchen. Mit schicken Bildern der einzelnen Teeservice, mit YouTube-Einbindung, so halt mit Allem Schnickschnack, den die hypermediale Welt heutigentags so hergibt. Die Kamera war auf dem Stativ montiert, die Akkus geladen, der Tee gekocht und sogar, trotz der Temperaturen, Sahne beim örtlichen Versorger käuflich erworben.

Tage dreizehn und vierzehn:

Der Wintersturm fegt über die Nordsee. Nun aber in einer Kraft, dass sogar mein übergewichtiger Körper kaum mehr dagegen ankommt. Der kleine Hund, als gebürtiger Italiener, ist fellmäßig nicht ausgestattet, einer solchen Naturgewalt standzuhalten. Er friert. Seine Ohren würden ausreichen, eine ganze Trawlerladung frisch gefangene Fische mit einer einzigen Berührung schockgefrieren zu lassen. Dazu kommen unangenehme Hagelschauer mit Körnern, die beinah ein Cent Stück groß sind und in der Tat unangenehm werden, wenn sie auf Kopf, Ohren und Nase treffen.

Tag zwölf, an dem ich wieder Tee trinke

Die Nordsee verwöhnt uns mit unbeständigem Wetter, bald stürmt und hagelt es, dass man den sprichwörtlichen Hund nicht vor die Tür schickt; meiner steht er dann auch mit eingekniffenem Schwanz in Hauseingängen und schaut mich aus seinen braunen, treuen Augen an, die mich fragen, was machen wir hier eigentlich? Ich könnte so schön zu Hause durch den Wald toben, mit all meinen Hundefreunden- und Dinnen, da sind wir auch vor dem Sturm geschützt, aber nein, wir müssen hier durch Wind und Wetter marschieren.

Tag zehn, an dem ich ausgedehnt spazieren gehe:

Erhol dich, entspann dich, du musst nie wieder. Doch die Unruhe, das Getriebensein von der Hektik des prallvollen Arbeitstages, lässt mich nicht los. Nach der Morgenrunde und einem ausgiebigen Frühstück, ich kaue jeden Bissen mindestens fünfzehn Mal, wenigstens soll das Gedärm das Gefühl bekommen gebraucht und sinnvoll zu sein, außerdem erlange ich auf diese Weise ein Sättigungsgefühl. Überhaupt, auch das ist etwas, das ich erst wieder lernen muss, in Ruhe zu essen und die Dinge, die vor mir auf dem Teller zu liegen kommen, auch zu genießen.

Tag neun, an dem ich früh erwache:

Pünktlich, zehn Minuten vor sechs, wache ich auf. Mein ganzer Organismus, meine innere Uhr sind darauf trainiert. Im ersten Moment huscht es mir durch den Kopf mit den ungewaschenen Haaren, dass ich aufspringen muss, um mich fertig zu machen, aber dann fällt mir ein, dass ich ja liegen bleiben könnte oder zumindest in Ruhe die erste Tasse Kaffee genießen kann. Der Hund öffnet gequält ein Auge und späht verschlafen aus seinem Körbchen.

Tag acht, an dem ich shoppen gehe:

Um für einen dezidierten und ausgefüllten Tagesablauf zu sorgen, habe ich das Auspacken auf heute verschoben. Jeden Tag eine wichtige Aufgabe. Beim Leeren der Taschen und des Rucksacks muss ich bestürzt feststellen, was ich Alles in der Packaktion vergessen habe. Zwar notierte ich die benötigten Gegenstände und Utensilien auf diversen Listen und ich sehe es auch wie ein 3-D Bild in 4K Auflösung vor meinem geistigen Auge, aber es steht noch immer in der ehelichen Wohnung, außer meine Frau hat es weggestellt und ordentlich verstaut. Die Dinge, die ich bei dieser logistischen Meisterleistung zurückließ, waren Socken, leider im Winter nicht zu vernachlässigen, Duschmittel, im Winter nur bedingt von Nöten, es bilden sich auf diese Weise herrliche Schutzschichten und der Hund erkennt einen, auch auf größere Entfernung, sogar gegen den Wind; diverse Toilettenartikel, was dummerweise einen Großeinkauf im Drogeriemarkt nach sich