Trauriger Urlaub

Ja, ich gestehe. Es ist eine Sünde. Zwar keine Erbsünde und nachfolgende Generationen müssen sich auch nicht bis ins 37te Glied Asche auf ihr Haupt träufeln und sich von der Weltbevölkerung vorwerfen lassen, dass ihre Altvorderen, also ich und der Hund, der zweite Hund und die geliebte Ehefrau (die Allerbeste von Allen!), so wagten, zu handeln, dennoch ist es, und da beißt die Maus kein Faden ab, eine Sünde.

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Ostfriesische Teestunde

Eintlisch, wie der Berliner sagt, sollte an dieser Stelle ein Bericht, eine Beschreibung und Erklärung der Ostfriesischen Teezeremonie auftauchen. Mit schicken Bildern der einzelnen Teeservice, mit YouTube-Einbindung, so halt mit Allem Schnickschnack, den die hypermediale Welt heutigentags so hergibt. Die Kamera war auf dem Stativ montiert, die Akkus geladen, der Tee gekocht und sogar, trotz der Temperaturen, Sahne beim örtlichen Versorger käuflich erworben.

Tage dreizehn und vierzehn:

Der Wintersturm fegt über die Nordsee. Nun aber in einer Kraft, dass sogar mein übergewichtiger Körper kaum mehr dagegen ankommt. Der kleine Hund, als gebürtiger Italiener, ist fellmäßig nicht ausgestattet, einer solchen Naturgewalt standzuhalten. Er friert. Seine Ohren würden ausreichen, eine ganze Trawlerladung frisch gefangene Fische mit einer einzigen Berührung schockgefrieren zu lassen. Dazu kommen unangenehme Hagelschauer mit Körnern, die beinah ein Cent Stück groß sind und in der Tat unangenehm werden, wenn sie auf Kopf, Ohren und Nase treffen.

Tag zwölf, an dem ich wieder Tee trinke

Die Nordsee verwöhnt uns mit unbeständigem Wetter, bald stürmt und hagelt es, dass man den sprichwörtlichen Hund nicht vor die Tür schickt; meiner steht er dann auch mit eingekniffenem Schwanz in Hauseingängen und schaut mich aus seinen braunen, treuen Augen an, die mich fragen, was machen wir hier eigentlich? Ich könnte so schön zu Hause durch den Wald toben, mit all meinen Hundefreunden- und Dinnen, da sind wir auch vor dem Sturm geschützt, aber nein, wir müssen hier durch Wind und Wetter marschieren.

Tag acht, an dem ich shoppen gehe:

Um für einen dezidierten und ausgefüllten Tagesablauf zu sorgen, habe ich das Auspacken auf heute verschoben. Jeden Tag eine wichtige Aufgabe. Beim Leeren der Taschen und des Rucksacks muss ich bestürzt feststellen, was ich Alles in der Packaktion vergessen habe. Zwar notierte ich die benötigten Gegenstände und Utensilien auf diversen Listen und ich sehe es auch wie ein 3-D Bild in 4K Auflösung vor meinem geistigen Auge, aber es steht noch immer in der ehelichen Wohnung, außer meine Frau hat es weggestellt und ordentlich verstaut. Die Dinge, die ich bei dieser logistischen Meisterleistung zurückließ, waren Socken, leider im Winter nicht zu vernachlässigen, Duschmittel, im Winter nur bedingt von Nöten, es bilden sich auf diese Weise herrliche Schutzschichten und der Hund erkennt einen, auch auf größere Entfernung, sogar gegen den Wind; diverse Toilettenartikel, was dummerweise einen Großeinkauf im Drogeriemarkt nach sich

Tag sieben, den ich auf der Autobahn verbringe:

Am frühen Morgen, die Sonne ist noch nicht aufgegangen, sitzten der Vierbeiner und sein Dosenöffner, also ich, im Auto und brausen über die Autobahn. Eigentlich schleichen wir von Stau zu Stau. Irgendwer hat vergessen, allen anderen Autofahrern mitzuteilen, dass ich heute gerne freie Fahrt hätte. Es ist nicht so, dass ich auf der Flucht wäre, ich fahre nur gegen die Zeit, beziehungsweise, gegen die kleine Fähre, die uns an der Nordsee vom Festland auf die Insel bringen wird. Mit einem Mal durchzuckt mich der Gedanke, dass meine Frau mich analog einem Strafgefangenen in den dreißiger Jahren in San Franzisko nach Alcatraz, gezielt auf eine Insel geschickt hat, damit die Möglichkeiten zur Flucht minimiert sind. Ich wische den Geistesblitz aus meinen Gedanken, aber so richtig will er nicht verschwinden.