… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,139CaptainsLog lirumlarumLöffelstiel,wernichtsfragt meines Privattierdaseins …

Im besten Fall plumpst ein Gesteinsbrocken mindestens von der Größe Austrias auf das Antlitz dieser Welt und rückt die Verhältnismäßigkeiten für wenigstens ein Jahrtausend wieder ins rechte Licht. Wobei, die Chose mit dem Licht dann so eine Sache wäre, denn erstens verdunkelte sich der Himmel für eine überlange Zeitspanne ganz erheblich und zweitens bräche die ohnehin mittlerweile fragile Versorgung des gerichteten Elektronenflusses mit einem Mal irreversibel zusammen.

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,123CaptainsLog nenntmichIsmael meines Privattierdaseins …

Doch der Begriff, der Titel des »Bürgers«, der vor allem auch ein gerüttelt Maß an Selbstverantwortung trägt, verschwimmt immer mehr zu einem simplen Einwohner, der sich aus den oben aufgeführten Angsterzählungen willentlich in die Obhut eines paternalistisch, zuweilen totalitär anmutenden Regimes begibt, in der stillen Hoffnung, dass die Experten, die besonders im Augenblick, eben durch die massive Einschränkung der Debattenräume, monistisch ausgewählt sind, die richtigen Entscheidungen treffen werden. Vor der Aussicht der immer weiter um sich greifenden Digitalisierung, dem Wunsch des Transhumanismus, der immer totalitär ist, sein muss, da ein Algorithmus keinerlei Alternativen, sondern ausschließlich nach der größten Wahrscheinlichkeit entscheidet, was in keiner Weise eine demokratische Willensfindung abbildet, geschweige denn ersetzen kann, gibt das merkwürdige Zweibein, mittelfristig die Freiheit der Lebensgestaltung auf.

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,120CaptainsLog wieschönwardochdieWeltnochimSchubidubidu meines Privattierdaseins …

Dieses merkwürdige, früher einmal vernunftbegabte, Zweibein fürchtet sich lieber vor seiner eigenen Existenz und den Konsequenzen, die sich möglicherweise daraus ergeben könnten oder auch nicht. Denn es ist so viel einfacher, in der eigenen Bude zu hocken und auf den Untergang zu warten, das Gesicht verhüllt und damit alle Menschlichkeit, weil die Fähigkeit zur Kommunikation fahren lassend, und das, was uns ausmacht, die Möglichkeit der Selbsterkenntnis, einfach über Bord in den Orkus der historischen Vergesslichkeit zu kippen.

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,119CaptainsLog TheFinalCountdown meines Privattierdaseins …

von Thomas Günter Liebes Tagebuch, nun ist es ja so, dass ich zuweilen die eine oder andere von Dritten verfasste Zeile binokular den noch nicht digitalisierten Speichern meines grauen Eiweißklumpens hinzufüge. Ebenso verweile ich allenthalben vor einem Wischebummensdingens, durchstöbere entnervt den immer gleichen Angebotsverdruss der Streamingdienste und stoße dann, vollkommen unverhofft, auf die filmische Adaptation…

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,117CaptainsLog DasLebenkönntesoeinfachsein meines Privattierdaseins …

»Brave New World«. Schöne neue Welt. Alle Menschen sind gesund, frei von Viren und Bakterien, aber auch frei von den Symbionten, die dieses merkwürdige haarlose Zweibein für die Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen benötigt. Auch wenn es sich so mancher Wissenschaftler, aber genauso auch Politiker, zu wünschen meint, eine Parallele zu Doktor Frankenstein ist da fast nicht mehr von der Hand zu weisen, wir, als Art, Gattung, Rasse, als Säugetier und vor allem als soziales Wesen, stellen kein in vitro Experiment dar.

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,116CaptainsLog achdaskönnteschönsein,einHäuschenmitGarten meines Privattierdaseins …

Wenn alle immer das gleiche sehen und hören, dann bedarf es auch keiner Meinungsfreiheit mehr. Die verwirrt nur den Verstand, regt zum Nachdenken an und lässt womöglich noch Zweifel an der eigenen Existenz aufkommen. Schließlich ist auch das Bild einer irischen Stepptanztruppe, die in perfekter Harmonie die Metallkappen an Fußspitze und Ferse auf den Boden knallen lässt, viel angenehmer zu schauen und zu belauschen, als wenn alle unkoordiniert durcheinander liefen.

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit2021,115CaptainsLog BevoricheinalterMannwurde,warichdaraufbedacht,würdigzuleben,jetztimAlterrichtetsichmeinStrebendarauf,würdigzusterben meines Privattierdaseins …

Schon deswegen habe ich als Modell ausgedient, da diese Gefahr für immer gebannt ist. Ich könnte mich also auf mein Altenteil zurückziehen, am besten gleich vom Gesicht der blauen Perle verschwinden, um durch meine pure Anwesenheit niemandem gegenüber eine Mikroaggression aufzubauen, seine Befindlichkeit zu erschrecken und damit in eine Opferrolle zu drängen, und meine eigene Existenz somit ad absurdum zu führen.

… Tag 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit 2021,113CaptainsLog allemeineEntchenschwimmenaufdemSee,KöpfchenindasWasser meines Privattierdaseins …

Ich geb es zu, mein Bild der Menschheit ist geprägt durch meine Misanthropie. Ich halt nicht viel von anderen meiner Art, ich geh ihnen aus dem Weg, meide, so es geht, bis auf wenige Ausnahmen, die Gesellschaft Dritter. Wer seinen Kopf auch freiwillig, ohne Not, die wird erst erzeugt durch eben diese Handlung, so lange unter Wasser hält, bis alle eingeatmete Luft verbraucht ist und dessen letzter Gedanke nur noch darin besteht: Ups, wie konnte das jetzt schief gehen, da lass ich alle Hoffnung fahren und sage mir, ganz stoisch, obgleich ich nicht weiß, ob beispielsweise Seneca oder auch der große Marc Aurel mir hier zustimmten, obgleich ich es vermute, dann ist es besser wenn wir, das Menschengeschlecht, ob unserer Dummheit, da wir uns weigern den eigenen Verstand zu nutzen, einfach vom Antlitz der blauen Perle im weiten Rund des Nichts verschwinden.

… TAG 800 oder 900 oder 1000 oder noch mehr Sternzeit 2021,112CaptainsLog undwennwiraufwachenistallesandersnurmerkenwiresnicht meines Privattierdaseins …

von Thomas Günter Die Drölf, diese besondere Zahl, die nicht einmal in ethnologischer Mathematik vorkommt, ist eine der letzten verbliebenen Eigenarten, die wir noch auf unsere Wimpel, Fahnen und Standarten pinseln können. Deswegen, liebes Tagebuch, lasse ich das auch heute einfach unbeachtet. Die bitter vergossenen Tränen ob dieser Tatsache interessieren mich nicht. Sie lassen mich…