… Tag 800 oder 900 Sternzeit2020,289CaptainsLogichküsseIhreHand,Madame meines Privattierdaseins …

Es stört mich nicht, wenn sie nicht alle erkannt werden, es freut mich, wenn ich die HörerRinenderninneneden anregen darf, hie und da das eine oder andere in einem Nachschlagewerk, egal ob dünneberg oder bertaflunkerte, zu vertiefen. Mich stört aber die snobistische Ignoranz einzelner Individuen, die sich weigern, ihren Horizont durch Mehrung des Wissens zu erweitern und das, was vor einigen Jahrzehnten in einem sehr eng umfassten Rahmen erfahren wurde noch immer für den Kelch der Weisheit erachten und sich den Dingen, die in ihrem verschleierten Blick nicht würdig erscheinen, verachtend gegenüber stehen. Daraus resultierten einst die Hexenverbrennung und die Verfolgung Andersdenkender. Ebenso wie diejenigen, die für den tages- und postenpolitischen eigenen kurzfristigen Vorteil die hehren Ideale der »Föderation der vereinten Planeten« perfide verraten, sich als Deus ex Machina gebärden, doch dabei nur Angst vor einer tatsächlichen Entscheidung an den Tag legen.

… Tag 800 oder 900Sternzeit2020,277CaptainsLoggegenübermeinerschriftstellerischenArbeitwarThomasManneinStenograph meines Privattierdaseins …

Es ist ja nun Mal so, liebes Tagebuch, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte und damit auch die Haut des Wildschweins nicht verkaufen kann, bevor es nicht gefangen genommen wurde. Anders ausgedrückt, die Zukunftswetten, mit denen die internationalen Börsen so den Geldpreis bald nach unten, bald nach oben wenden, stellen im Grunde nichts anderes als einen globalen Beitrag zur allgemeinen Roulettementalität der infantil gelangweilten Gesellschaft dar. Doch auch besonders im Privaten stellt diese kleine, so banale Weisheit, leider Gottes eine unumstößliche Wahrheit dar.

… Tag 800 oder 900 Sternzeit2020,257CaptainsLogSchweinsfüßeàlaCrème meines Privattierdaseins …

von Thomas Günter Nun ist es ja so, liebes Tagebuch, dass ich, das Privattier, Autor, Kreierer kabbelnder Kalamitäten, tagein tagaus mehrfach mit den Tölen an einem der, nach der letzten Eiszeit verbliebenen, Seen meine Runden drehe. In diesem Areal gibt sich die Landesverwaltung noch recht großzügig und erlaubt dem Fifi, vor allem seinem Besitzer, ohne…

… Tag800oder900Sternzeit2020,224CaptainsLogjaisesdenndiepossibility meines Privattierdaseins …

Vor allem wer es nicht verstehen will, sich erfolgreich dagegen wehrt, die eigene Unzulänglichkeit zu hinterfragen, muss in seiner bräsigen, in Großstadtmanier aufgepumpten moralinsauren identitären Blase, in seiner vollkommenen, zu jedem Argument feindlich eingestellten, Selbstgefälligkeit und totalitaristischen Fantasie über die in keiner Weise kongruente Realität, herumdümpeln und weiter nach Luft schnappen.

Da hock ich doch lieber uffe Terese von mein Elfenbeintürmschen und rotze apodiktische Weisheiten, sich wie zäh nach unten windende Worthülsen, zu meinem untertänigsten Volk hinab, und ignoriere dabei vollkommen die Stereotypie einer jeden Aussage eines jeden selbst erwählten Homo sapiens.

… Tag 800istdadraußeninderweitenWeltüberhauptjemand meines Privattierdaseins …

Es wäre mir ein leichtes, den lieben langen Tag herumzusitzen und mich mit dem Irrsinn, der uns so umgibt, vollzeit zu beschäftigen. Doch will ich das? Mitneffen, besser, mitnichten, denn ich würde mich nur ärgern. Der Adrenalinspiegel würde so hoch empor steigen, dass die Kalotte, wie in einer Slapstick Episode einer siebzehntklassigen Comedy, gleich einem platzenden Fieberthermometer in die Höhe schoss. Dabei gäbe sie auch noch einen schrillen, gellenden Pfeifton zum Besten und aus dem Off erklänge halbherziges Gelächter aus der Konserve.

… Tag 800wasmachtmaneigentlichmitderganzenZeit …

Wo war ich?

Ach ja, bei dem weiteren Zeitvertreib, der, wie die Jungfrau zum Kinde, mich vor einigen Monaten wieder einholte, überrollte und mich mit der gleichen Faszination umgehend gefangen nahm, wie seinerzeit.
Die Fotografie.
Vor allem die analoge Form des Einfrierens der Zeit, des Festhaltens des Augenblicks. Die 1/125 sec., die 1/60 sec., der tausendste Teil der klassischen westlichen Zeiteinheit, der ausreicht, um die chemische Reaktion auf dem Triacetatstreifen auszulösen und den Moment einzufangen.

Tag 800jetztistesauchschonegal des Privattierdaseins …

Was aber sollen die Menschen,

die draußen in Stadt und Land, auf Feld und Weide, in Wohnung und Home Office gefangen sind, sich nicht von A nach B bewegen dürfen, oder nur, wenn ein triftiger Grund, wie das Hamstern von Toilettenpapier vorliegt, denn sonst ihre großzügig bemessene Zeit verbringen?
Es existiert nun mal nur eine begrenzte Anzahl an Filmen und Serien. Und wenn man es richtig anstellt, Multitasking ist in diesem Fall das Motto der Stunde, dann ist man in der Lage, auf Tablett, Handy und dem Computer mindestens drei, in Zahlen 3, wenn nicht mehr Filme oder Folgen einer Serie gleichzeitig in sich aufzusaugen.

Tag 800ichweißauchnichtmehr eines Privattieres …

Dabei hat die Menschheit offenbar vergessen, dass das Denken an und für sich die wichtigste und hauptsächliche Tätigkeit ist, zu der wir uns befähigt sehen. Schließlich erschafft das Denken erst die Realität in der wir uns alle gemeinsam und ein Jeder für sich bewegen und existieren. Erst das Denken hat die großen Ideen hervorgebracht, die wir im Jetzt mit dem Begriff »Zivilisation« sehr verkürzt zusammenfassen. Erst dass Denken ermöglicht es uns, als Menschheit, hinter die Geheimnisse des Universums, nicht nur da draußen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist, sondern auch hier im Kleinen, wie der Biene, die die Pollen einer Blüte gierig aufnimmt, zu blicken und die tiefe Schönheit, die darin verborgen liegt, zu erkennen.

Tag 815 meines Privattierdaseins …

Ich selber, der ich ja sowieso nur außen vor sitze,

schwanke hin und her zwischen mahnendem Unkengerufe über das Ende der Welt, das auf leisen Klopapierrollen daher rollt, oder einer überbordenenden Euphorie, dass am Ende dieser Krise alles so viel besser sein wird. Auch die Frage, ob man in dieser so angespannten Situation verbale Burlesken über das Virus verbreiten dürfe, kann und muss mit einem unbedingten »Ja« beantwortet werden. Denn nur mit einer gehörigen Portion Galgenhumor lässt sich diese absurde Situation überhaupt überstehen. Schließlich wissen wir seit geraumer Zeit, dass »Der Legionär ist gut, der überspielt mit derbem Scherz den Schmerz.«