… Tag 800Stardate2020,174CaptainsLog meines Privattierdaseins …

Es geht mir auch gar nicht so sehr um die politische und soziologische Großwetterlage dabei, sondern ausschließlich darum, eine verworrene Satzkonstruktion zu entwerfen, in der Schwaben, Vulkanier und Borg in einem Atemzug genannt werden konnten. Auch wenn der Bewohner aus Deutsch-Süd-West nicht unbedingt mit Logik zu punkten weiß, dann doch aber mit Spätzle und Sauerer Lunge.

… Tag 800schwuppsdaistdieIdeedienochebendurchmeinenGeistzuhuschenschienschonwiederweg meines Privattierdaseins …

Ich aber, ich versuche krampfhaft und enttäuscht, diesen Gedanken, jene Epiphanie, die Erleuchtung, den Gedankenblitz in irgendeiner Weise zu rekonstruieren. Doch gelingen will es, nach all den verzweifelten Schlachten, die ich zuvor geschlagen hatte, die mir aufgezwungen wurden, vom Brillenband, der Zugangsmöglichkeit zu meinem eigenen Gerät, dem verwesenden Kadaver aus glanzvollem Alabaster, der einmal meinen geschundenen Corpus darstellte, dem Widerwillen, die meine ach so verzweifelten Aktionen bei dem heimlichen Herrscher, dem Hunde, auslöste, leider nicht mehr.

… Tag 800ochuffeenheiljenSontachlassickdetGrübelnnüsch meines Privattierdaseins …

Da halt ich es doch lieber mit dem alten Fritzen, der sich, ganz lapidar, als ersten Diener seines Staates sah »Hier mus ein jeder nach Seiner Fasson Selich werden«. Die simpelste Beschreibung der Toleranz, die allerorten heut gefordert wird, doch niemand bereit ist, auch nur einen winzigen Funken davon, zu gewähren. Denn die Freiheit des Einzelnen endet nun einmal dort, wo die des Nächsten beginnt.

… Tag 800istdadraußeninderweitenWeltüberhauptjemand meines Privattierdaseins …

Es wäre mir ein leichtes, den lieben langen Tag herumzusitzen und mich mit dem Irrsinn, der uns so umgibt, vollzeit zu beschäftigen. Doch will ich das? Mitneffen, besser, mitnichten, denn ich würde mich nur ärgern. Der Adrenalinspiegel würde so hoch empor steigen, dass die Kalotte, wie in einer Slapstick Episode einer siebzehntklassigen Comedy, gleich einem platzenden Fieberthermometer in die Höhe schoss. Dabei gäbe sie auch noch einen schrillen, gellenden Pfeifton zum Besten und aus dem Off erklänge halbherziges Gelächter aus der Konserve.

… So scheint denn die ganze Welt verrückt …

Möglicherweise bestimmt nurmehr die Angst unsere Erkenntnis. Die Furcht davor, in der Uniformität der Masse unterzugehen und uns somit selber zu verlieren. Die individuelle Vorstellung, eines jeden Einzelnen aufrecht zu erhalten, in der Menge von mehr als 8 Milliarden Menschen, die um uns herum auf diesem Planeten ebenso ihr Dasein fristen. Zwar erscheint jeder von uns einzigartig, doch so sehr wir uns auch bemühen, keiner unterscheidet sich von seinem Nächsten so sehr, wie er es gerne hätte. Die Varianzen im Phänotypus sind nur marginal. Das Übrige ist bestimmt durch den genetischen Code, der bei uns allen gleich ist, sonst wären wir untereinander auch nicht kompatibel.

… Tag 800werfragteigentlichnochdanach meines Privattierdaseins …

Gleich einer Einheit römischer Auxiliarverbände, die Steine schmeißend, grölend, gerne die Visagen bis zur Unkenntlichkeit mit Tönungen verschmiert, den Gegner zu Leib und Leben rückt, wie eine Feuersbrunst, gelegt von tapferen Floriansjüngern, um dem eigentliche Brandherde den nöt’gen Sauerstoff zu rauben, wie eine Finte, eine arge Kriegslist, die dem Verstand vorgaukelt, dass er wohl beschäftigt sei, und doch nichts anderes vollbringt, als den Arbeitsspeicher des menschlichen Betriebssystems vom Müll des Alltäglichen zu bereinigen.

… Nun ja, wohl an, nun denn …

Gleichheit von Frauen und Männern mag auf dem Papier existieren, doch in realiter sind wir noch weit davon entfernt. Zwischen den Hautfarben, die doch nichts anderes als einen Phänotyp darstellen, will ich an dieser Stelle gar nicht erst sprechen, die Bilder, die uns von der anderen Seite des Atlantiks erreichen, sprechen, nein brüllen ein beredtes Klagen in die Welt.

… Tag 800wenneinendieErinnerungeneinholen meines Privattierdaseins …

Machen uns, den geneigten Hörern, doch beide Lieder unmissverständlich klar, dass das Nachtrauern der Vergangenheit im Grunde zu nichts führt. Denn die Zukunft ist das Land, das es zu entdecken, zu erobern und zu meistern gilt. Mit den erlernten Erfahrungen, denn sie machen uns schließlich erst zu dem, was wir geworden sind. Doch ohne ihnen nachzutrauern, denn das verstellte nur den Blick auf all das Schöne und Unglaubliche auf dieser so absurden, blauen Perle mitten im weiten Nichts des Universums.

Ja ist denn alles wahr?

Was ist überhaupt »Die Realität«? Nur das, was unser Gehirn, dieser erstaunliche Klumpen Eiweiß am oberen Ende dieses merkwürdigen, halbwegs ausbalancierten Fleisch- und Knochensacks, in dem mit schier unglaublicher Geschwindigkeit elektrische Impulse hin und her zischen, als erstaunlich beeindruckende 4D Simulation in unser Bewusstsein projiziert. Nicht mehr aber auch nicht weniger.