… Tag 800istdadraußeninderweitenWeltüberhauptjemand meines Privattierdaseins …

Es wäre mir ein leichtes, den lieben langen Tag herumzusitzen und mich mit dem Irrsinn, der uns so umgibt, vollzeit zu beschäftigen. Doch will ich das? Mitneffen, besser, mitnichten, denn ich würde mich nur ärgern. Der Adrenalinspiegel würde so hoch empor steigen, dass die Kalotte, wie in einer Slapstick Episode einer siebzehntklassigen Comedy, gleich einem platzenden Fieberthermometer in die Höhe schoss. Dabei gäbe sie auch noch einen schrillen, gellenden Pfeifton zum Besten und aus dem Off erklänge halbherziges Gelächter aus der Konserve.

… Tag 800werfragteigentlichnochdanach meines Privattierdaseins …

Gleich einer Einheit römischer Auxiliarverbände, die Steine schmeißend, grölend, gerne die Visagen bis zur Unkenntlichkeit mit Tönungen verschmiert, den Gegner zu Leib und Leben rückt, wie eine Feuersbrunst, gelegt von tapferen Floriansjüngern, um dem eigentliche Brandherde den nöt’gen Sauerstoff zu rauben, wie eine Finte, eine arge Kriegslist, die dem Verstand vorgaukelt, dass er wohl beschäftigt sei, und doch nichts anderes vollbringt, als den Arbeitsspeicher des menschlichen Betriebssystems vom Müll des Alltäglichen zu bereinigen.

… Tag 800wasmachtmaneigentlichmitderganzenZeit …

Wo war ich? Ach ja, bei dem weiteren Zeitvertreib, der, wie die Jungfrau zum Kinde, mich vor einigen Monaten wieder einholte, überrollte und mich mit der gleichen Faszination umgehend gefangen nahm, wie seinerzeit. Die Fotografie. Vor allem die analoge Form des Einfrierens der Zeit, des Festhaltens des Augenblicks. Die 1/125 sec., die 1/60 sec., der tausendste Teil der klassischen westlichen Zeiteinheit, der ausreicht, um die chemische Reaktion auf dem Triacetatstreifen auszulösen und den Moment einzufangen.

Warum, warum ist die Banane krumm … Und warum ist der Mensch so dumm?

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht. Selten traf dieser Satz mehr zu, als in diesen Tagen, besonders in der Hauptstadt. Auf diese Weise bereitet sogar die Beobachtung von außen, die unser Autorenkollektiv so gerne aus sicherer Entfernung zu anderen Menschen betreibt, kein Gefallen mehr. Es macht nur aggressiv. Hat es aber dennoch geholfen diese Zeilen zu verfassen? Nein, denn die Meldungen über die Dummheit der Menschen reißen nicht ab.

Hier sitze ich und boomle mit de Beene

Ich möchte hier nicht die Tatsache anprangern, dass die Aufzeichnung von Historie immer zugunsten des Siegers stattfindet, es handelt sich hierbei vielmehr um dieselbe Gedankenströmung, die auch die Leugner des Holocausts umtreibt. Eine vollkommen verblendete Sichtweise auf die Vergangenheit. Erstens ist sie bereits geschehen, und damit, vor allem physikalisch, nicht mehr veränderbar, aber der Versuch sie aus dem Gedächtnis zu vertreiben, grenzt an die chinesische Kulturrevolution eines Mao Zedong.

Pflaumenkuchen und der Fotoausflug

Der Schreiberling traut sich sogar, nach über Dreißig Jahren auf die ganz klassische, die schwarz-weiß Fotografie, zurückzukommen. Der erste Film ist bereits verschossen und die Ergebnisse waren durchaus ansprechend. Auf jeden Fall, ohne in Eigenlob zu ersticken, sehr viel besser als all die Selfies, der 15 Minuten möchtegern Selbstdarsteller.

Fotoalben

Ausschließlich durch die Tatsache bedingt, dass Thomas andauernd, wenn er nicht schreibt, die Welt durch den Sucher betrachtet. Er hält seine, in der Zeit eingefrorenen Momente, für so erhaltenswert, dass seine liebe Ehefrau (im Internet vertreten durch serviertdasmagazin.com) uns eine entsprechende Albumseite eingerichtet hat.

Die Butterstulle

Thomas hat mich gedungen und bestochen, mit einem leckeren Essen, das seine Frau gekocht hat, auch mal wieder etwas in unserem Blog zu schreiben. Sein Hang zur Misanthropie ist landauf, landab bekannt und berüchtigt. Während aber zumindest er ein Restaurant oder Kaffee erst verlässt, wenn zwei oder drei weitere Gäste den Laden betreten, gehe ich gar nicht erst hinein. Das war schon immer so.