von Thomas Günter

Die Drölf, diese besondere Zahl, die nicht einmal in ethnologischer Mathematik vorkommt, ist eine der letzten verbliebenen Eigenarten, die wir noch auf unsere Wimpel, Fahnen und Standarten pinseln können.

Deswegen, liebes Tagebuch, lasse ich das auch heute einfach unbeachtet. Die bitter vergossenen Tränen ob dieser Tatsache interessieren mich nicht. Sie lassen mich kalt, fichten mich nicht an, perlen, wie Regen an einer wirklich sauberen Fensterscheibe, an mir ab. Sie lassen mich unbeeindruckt, durchdringen nicht den dornigen Pfad hin zu meinem verkrusteten, kalten Herz. Sie sind mir einfach egal. Wie so vieles andere auch. Nein, nein, nein, auch das Winseln, das Fiepen, das unterwürfige auf den Rücken rollen und präsentieren der verletzlichen Weichteile und der Kehle erzeugen keinerlei Gnade. Die Drölf soll mal schön da bleiben, wo sie hingehört. Dort kann sie sich mit Dritten, die auch dorthin sollten, vereinen und mal ein wenig in sich gehen.

Außerdem leide ich heute, wie so manch anderer, der den guten Immanuel vielleicht nicht gelesen hat, aber dennoch den Wallnussartigen grauen Eiweißklumpen am oberen Ende des Fleisch- und Knochensacks, oder wie eine auf Silizium basierende Lebensform sagen würde: diese merkwürdigen Kohlenstoffbasierten, zuweilen zu mehr benutzen, als nur die Atmungs- und Verdauungsfunktion aufrecht zu erhalten.

Aber das nur nebenbei.

Denk ich an …, bin ich …. Dinge die Mann, zumal ein alter, weißer, ein heterosexueller, vielleicht auch heteropneumatischer, böser, ein Privattier, Autor, Parlierer pandemischer Partikularitäten, in Zeiten wie diesen nur bedingt von sich geben darf, sei es schriftlich, sei es mündlich. Gedanklich noch nicht, denn erst mit der kommenden Generation der den Transhumanismus propagierenden monopolistischen Industrien und ihrer Produkte, besteht die effektive Chance, dass auch das endlich umgesetzt sein wird.

Eine gute Staatsform stellt die dar, die nicht zu bemerken ist. Dabei ist es egal, um welche Art es sich dabei handelt.

Nur um die Freiheit gilt es andauernd zu kämpfen. Aber wie soll das dieser haarlose Primat, der Homo stultus bewerkstelligen, wenn er, ebenso wie sein canider Begleiter, ununterbrochen infantilisiert und paternalistisch geführt wird. Was nutzt die Gedankenwelt der Aufklärung, einer unserer vornehmeren Beiträge zur Geschichte dieser blauen Perle im weiten Rund des Nichts, wenn sie konstant ignoriert und, das ist der schlimmere Umstand, gezielt unterdrückt wird.

Fast könnte man meinen, die reptiloiden Außerirdischen aus dem Innern der flachen, hohlen Erde setzen die Streamingdienste, das Staatsfernsehen und die anhängigen Printmedien gezielt ein, um das merkwürdige, aufrecht gehende Zweibein zu Ernährungszwecken zu züchten. Nur das zentrale Nervensystem, oben bereits beschriebener Zellhaufen, der die Realität, das Bewusstsein erst aus seiner elektromagnetischen Umwelt erschafft, ist offenbar nicht so wohlschmeckend für ihre, die reptiloiden außerirdischen Gaumen, so dass es gewünscht bleibt, dieses Organ möglichst klein zu halten.

Oder so ähnlich.

Kein Alka-Selzer, keine Tablette, nicht die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit, schafft es, das schale Gefühl auf der Zunge wegzuspülen. Und niemand bemerkt es. Ein wenig hier, ein Scheibchen da, bald dräng ich mich in einem von Pferden gezogenen Planwagen, um dem Dekret für den absoluten Konsum nachzukommen, wer merkt es schon, wer erinnert sich daran, wenn der Himmel blauer ist und die Wiesen grüner, der Sommer wärmer und der Winter kälter sein wird, dass es einstmals anders war. Dass ich den Weg gehen durfte, der mir vorschwebte und nicht, wie ein Kalb, das sich seinen Schlachter selber sucht, nur noch die scheinbare Wahl habe.

Nicht Ciceros: Wie lange noch, mehr das Verkommen der virtus, die Ablehnung der Verantwortung zugunsten einer Klienteldenkweise, einer Lobbypolitik, eines Opportunismus für den eigenen, sicheren Posten in einer ausufernden Verwaltung, bestimmen die eingeschränkte Wahrnehmung der Realität. Die Naturwissenschaft, die geistige Schaffenskraft, die Phantasie werden zugunsten eines sklavischen Hetzens nach Klicks, nach nicht zu erreichenden, weil digitalen Schönheitsidealen, nach Konformismus und Protektionismus ignoriert. So weit zum alten Imperium Romanum. Gut, das mit der Elektronik war damals noch nicht so ausgeprägt, aber ansonsten trifft es schon ziemlich genau zu.

Mein geliebtes Weib, die beste Ehefrau von Allen (eine ganz neue Erfahrung und ein Informationsüberschuss) behauptet, sie klatschte innerlich Beifall. Ich glaube ja, sie denkt in Wahrheit, wie bekomm ich den Kerl in einen Raum, versorgt mit ausreichend Papier zum Bekritzeln, damit seine Gedankengänge nicht die Welt mit dem Virus des Nachdenkens vergiften. (Sarkasmus wieder aus) schließlich verfasse ich ja auch ansonsten meine Texte immer in einer äußerst ernsthaften Art und Weise.

Seit geraumer Zeit gilt der Grundsatz, mehr schein als sein. Freiheit besteht nicht darin, dass der Konsument die freie Farbauswahl des neu zu erwerbenden Bummensdingeswische hat. Freiheit besteht nicht darin, eine sinnlose Anzahl elektronischer Helferlein im neuen Zerknalltreibling aus dem quitschbunten Katalog zu ordern. Freiheit besteht nicht darin, im Planwagen in den Konsumtempel transportiert zu werden. Freiheit besteht aber zum Beispiel darin, dass ich, gesprochen für die Allgemeinheit, mir Aussuche, ob ich überhaupt dem Kaufrausch verfallen will und wenn ja, wie ich dorthin gelange, ob per pedes apostolorum, auf dem Velociped oder im eigenen Vehikel. Und die Aufgabe eines liberalen Staates besteht ausschließlich darin, mir, dem souveränen Bürger dies zu ermöglichen. Seine Aufgabe umfasst aber nicht die Bestimmung darüber, wer sich noch selbstbestimmt fortbewegen darf und wer nicht. Eine gewählte Regierung, die diese Entscheidungsbefugnis für sich in Anspruch nimmt, gibt ein unrühmliches Beispiel für die oben genannte These ab. Freiheitlich wäre sie zu nennen, wenn sie jedem die Option eröffnete, nach eigenem Gutdünken zu entscheiden.

Freiheit bedeutet, dass für jeden Mann, jede Frau, und jeden sich divers Fühlenden, egal woher er kommt, die gleichen Chancen bestehen und nicht nach immer feiner differenzierten Quoten Möglichkeiten verteilt werden, sondern für die Besetzung Befähigung und Qualifikation ausschlaggebend sind.

Die Quotenregelung erinnert gar zu sehr an die Versorgung verdienter Parteisoldaten und Claqueure, um sich weiter der Gunst einiger Weniger zu versichern.

»I have a dream« dieser Satz des amerikanischen Bürgerrechtlers, der sooft missbräuchlich, sowohl seine Aussage, wie auch die Person selber, in den Raum geworfen wurde, beschäftigt mich heute ganz besonders. Doch ich fürchte, das kann im Moment getrost über Bord geworfen werden.

Selten hab ich mein Visier so weit geöffnet. Zu groß ist die Schere im Kopf, oder besser beide. Die eine, die als grobes Werkzeug daher kommt, radikal ausdünnt, abtrennt und minimiert, die andere eher als feines chirurgisches Instrument, das ziseliert, modelliert und formuliert. Welche nun welche ist, lass ich Sie entscheiden. Die Tatsache jedoch, dass, als liberaler Mensch, humanistisch ausgebildet und für Jahrzehnte einen Beruf ausgeübt habend, in dem an erster Stelle immer das Wohl des Menschen stand, bereits im vorn herein die eigenen Gedanken auf eine politische Korrektheit zu hinterfragen, öffnet eine tiefe Schlucht, ein mächtiges schwarzes Loch im Boden, in den Grundfesten unserer Gesellschaft.

In diesem Sinne. Schönen guten Abend.

Postskriptum: Hat eigentlich irgendwer der krampfhaft den Buchstabenreihen Folgenden erkannt, dass ich mir nun zum zweiten Mal einen harmlosen Jux, einen Spaß, einen Schabernack mit den initialen Buchstaben erlaubt habe? Die Hörenden, sind hiervon, gleich alten weißen Männern, hämisch ausgeschlossen.