von Thomas Günter

Liebes Tagebuch, da hock ich nun seit Tagen in der heimischen Feste, blicke voller Sorgen hinter mich, also lokal nicht temporär, hab den Italolappen mit einem Auge immer in der Beobachtung, warte dennoch voller Ungeduld darauf, dass er endlich wieder ausgelassen mit seinen Kumpelinen und Kumpeln durch den borealen Rest der Weichseleiszeit tollt, und denk mir meinen Teil über den Wahnsinn in der Welt im Allgemeinen und den Irrsinn, der die Gesellschaft befallen zu haben scheint, im Besonderen nach.
So vieles scheint verborgen, versteckt hinter wabernden Worthülsen, verwoben in anderes, belangloses Zeug, verwirrt durch Ideologie und Dogma einer gesellschaftlichen Wunschvorstellung.
Biologisch stellt die Angst einen Hemmfaktor, eine Limitation des Denkens, des Entscheidens dar. Das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange, dass nicht mehr in der Lage ist, sich fortzubewegen, fällt als schönes Beispiel hier in das Bewusstsein des Autoren, Privattieres, des Kunklers kreativer Kapriziosen, gleich einer Kastanie, die mit lautem Knall auf das Dach eines Zerknalltreiblings aufschlägt. Der Fluchtreflex ist ausgeschaltet, eine Bewegung nicht mehr möglich. So will auch gerade die Welt erscheinen. Erstarrt im Ausblick auf eine ungeschriebene Zukunft.
Doch die ist niemals festgelegt, es sei denn, man ist in dem Glauben an ein unabänderliches Schicksal des Universums und aller seiner Einwohner gefangen.
Sogar die Erkenntnis, auf welche Weise die ganze Chose einmal enden wird, in einem großen Knall, einer endlosen Stille, da nichts mehr existent sein wird, an dieser Stelle könnte ich auch über das Problem Welle/Teilchen weiter philosophieren und versuchen der Überlegung auf den Grund zu gehen, ob irgendwann, in einer noch fernen Zeit, einfach wirklich absolut alles auseinander driftet, so dass weder das eine, noch das andere vorhanden sein werden, und somit jedwede Existenz endet.
Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen, außerdem sind dafür Verschwörungstheoretiker und religiöse Fanatiker zuständig. Lassen wir die paar theoretischen Physiker dabei außen vor, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzten.
Dennoch beherrscht die Furcht in dieser wilden Zeit das Denken der gesamten Menschheit.
Dadurch hat sich der Souverän, die Bevölkerung vergisst viel zu oft, dass sie selber diese Position innehat und die von ihr gewählten Vertreter nach seinem Wunsch nur für eine kleine Weile entscheiden dürfen, eingeigelt, mit einem alles abwehrenden, die Realität außenvorlassenden Kokon umwickelt und wartet darauf, dass wenigstens irgendwann irgendetwas passieren wird. Dann können alle wieder ihre Köpfe herausstrecken, so wie die Feldfrüchte beim ersten Sonnenschein des Frühjahrs, und sich unbedarft von den Krähen fressen lassen.
Mir ist bewusst, dass ich mit dieser Formulierung den grauen Flatterhupferichen durchaus Unrecht antue, aber in der Literaturgeschichte des alten Europa stehen sie nun einmal für Tod und Verderben und begleiten Pestilenz und Not, um sich an dem, was die Apokalyptischen Reiter in ihrer Zerstörungswut übrig lassen, zu laben und satt zu fressen.
Obgleich Heidegger das Postulat aufstellt, dass die Angst der Weg zur Freiheit sei, widerspricht dies jedweder naturwissenschaftlicher Erkenntnis.
Sie, die Angst, stellt die Reaktion auf eine Bedrohung dar und damit läuft im Körper jedes höheren Lebewesens, jedes Vertebraten, jedes Säugetiers seit Jahrmillionen die immer gleiche enzymatische und hormonelle Antwort wie ein gestartetes und nicht mehr stoppbares Computerprogramm ab.
Eine freie Entscheidung ist auf diese Weise nicht möglich.
Weder für eine einzelne Person, geschweige denn für eine ganze Gesellschaft, bei der sich zusätzlich durch die Gruppendynamik diese Empfindung potenziert.
Hätten wir uns weiterentwickelt, wie wir es uns in unserer Hybris so gerne wünschen, und wären nicht mehr die haarlosen Primaten, die sich selber Homo sapiens, wissender Mensch bezeichnen, sondern hätten durch die Aufklärung, durch die griechischen Philosophen, die römischen Denker, die großen Weisheitsspender des Fernen Ostens aus Indien und dem Reich der Mitte, in der Tat einen Schritt weg von dem Omnivoren Raubtier, das wir seit nunmehr 2 Millionen Jahren in fast unveränderter Form darstellen, auch wenn der Phänotyp seitdem eine marginale Änderung erfahren hat, würden wir mit der augenblicklichen globalen Situation, den gesellschaftlichen Umwälzungen und Transformationen, den wirtschaftlichen Kapriolen überlegter, abgeklärter und in keiner Weise kopflos reagieren.
Ließe sich dies auch in irgendeiner Form launiger darstellen? Mit Sicherheit. Stets bin ich auch bestrebt meine Auslassungen, die Ideen des Autoren, Privattiers, des Gründers geistreicher Galligkeiten mit einer entsprechenden Prise Süffisanz zu würzen.
Doch bin ich nun mal kein Schauspieler, kein Spiegelfechter ja nicht einmal ein Gaukler, der mit Bällen jonglierend dem erstaunten Publikum die Börse während der Vorstellung entwendet.
Die einzige Erfahrung auf diesem Gebiet liegt in der lang schon vergangenen Epoche der Grundschulzeit. Dort spielte ich einst, bei einer Aufführung des Stücks »Die Bremer Statdmusikanten« einen Baum in dem Wald, den die Vier zu durchqueren hatten. Dies wollte mir recht gut gelungen sein, musste ich doch nichts mehr tun, als stumm und starr in einer Ecke zu verweilen und abzuwarten, bis endlich ein tosender Applaus das Ende dieser Narretei verkündete.
Mehr wollte und konnte ich auch gar nicht in meiner damals schon ausgeprägten Misanthropie.
Somit stellt es doch einen rechten Grad an Schwierigkeit dar, die verbale Umsetzung in der Form zu präsentieren, die in meinen überlegenen Intellekt, wie der des Khan Noonien Singh, herumschwirrt und und wie der Klang der Glocken von Big Ben erklingt.
So bleibt mir nur hin und wieder den Geist der Folgenden*Rinneneneden mit kauzigen syntaktischen Entwürfen zu irritieren.
Will auf diese Weise echte Komik aufkommen? Ich hoffe doch, denn das Sujet ist viel zu ernst, als dass man ihm nicht mit einer gehörigen Portion galligem Humor begegnen müsste.
Anders lässt sich der Wahnsinn, den der Homo sapiens gerade veranstaltet, nicht ertragen.
Da bemerke ich mit leichter Verwunderung in den die Tastatur mühselig absuchenden Fingerchen, dass mein geliebtes Weib, die beste Ehefrau von allen (auch wenn der große Julius die Belgier für die tapfersten der Kelten hält, dürfen sie dies nie vergessen. Es heißt im Übrigen im Original: Remember, erinnere Dich, und nicht wie in der wie so oft schlimmen deutschen Transkription: Das Alles vergiss bitte nie!)), bisher noch nicht elegant in dieses kurze Pamphlet eingewoben wurde. Vielleicht finde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Option, dies nachträglich auszuführen.
Heidegger ist jedoch auf simple Weise durch die Naturwissenschaft widerlegt. Das kann man/frau/er/sie/es/sie (viele) im Übrigen mit den meisten aktuellen gesellschaftlichen Theorien und Wunschvorstellungen vornehmen.
Auch wenn dies keinerlei Hymne auf eine Technokratie sein soll. Schließlich erinnert dieser anscheinend ewig andauernde Moment eher an die Frühphase der Römischen Republik, als in Krisenzeiten das Schicksal freiwillig vom Volk in die Hände eines einzelnen gelegt wurde.
Doch wie stellt es sich heute dar.
Der Souverän verharrt reglos in Furcht vor dem Unerwarteten. Die von ihm gewählten Vertreter gebärden sich jedoch, immer die Wahlergebnisse und eine Stellung danach im Blickfeld fokussierend, einzig darauf, gut auszusehen.
Auch hier regiert die Angst, die Angst vor dem Fehler, der Fehlentscheidung, dem Verlust von Position und Ansehen, vor allem aber die Angst die allgemeine Gunst zu verlieren. Damit wird, wenn überhaupt, harsch, unüberlegt und übertrieben entschieden, und sich hinter einem ganzen Arsenal von Verordnungen verborgen.
Joachim Fernau, der große Romantiker unter den Publizisten, formulierte es einstmals dergestalt: Ein Gentleman ist nicht jemand der weiß, wie man einer Dame die Türe aufhält, in unserer so aufgeregten Zeit sicherlich ein Akt der unterlassen wie ausgeführt gleichermaßen einen nicht wieder gutzumachenden Fauxpas darstellt, sondern jemand der, ohne zu hadern, sein Schicksal akzeptiert.
Doch heute wollen wir gegen jedwede Eventualität abgesichert sein, schreien infantil nach Protektionismus und Bevormundung, verweigern uns, ein Risiko einzugehen, und können den Lauf der Welt, vor allem unsere eigene Bedeutungslosigkeit darin, nicht akzeptieren.
Doch manchmal sind die kleinen Weisheiten aus den epischen Heldengeschichten, den Filmen, sogar, wenn nicht besonders, aus dem sooft verlachten Pulp, der doch nichts anderes darstellt, als die tatsächlichen Sehnsüchte und Hoffnungen der breiten Masse, recht zutreffend und der eine oder andere sollte kurz innehalten und sich diese Aussagen allenthalben vor Augen führen.

In diesem Sinne. Schönen guten Abend.