von Thomas Günter

Ich denke mir, ihm dem göttlichen, dem einzigen, dem großen Sohn aus dem Geschlecht der Julier, Überlebender der Pogrome nach den Visionen der Gracchen, würde diese obige Varianz seiner Brillanz durchaus den Bauch pinseln. Aus diesem kühlen Grund greif ich mir, wie an einem überladenen Buffet auf einem zu groß geratenen Plattenbau der Weltmeere, ganz unverhohlen den einen oder anderen Ausspruch aus dem schier unendlichen Fundus heraus, handwerke ihn für meine Bedürfnisse gewinnbringend um, um ihn dann, mit feistem Grinsen in den alten Wangen, hinaus zu tönen in die taube Welt.
Soll ich schreiben, soll ich lesen, soll ich mich dem gierigen Verzehr der einen oder anderen Serie hingeben, gleich einer Tüte Kartoffelchips, die, einmal geöffnet und davon genascht, recht schnell einer rasanten Minderung des Inhalts anheim zu allen weiß.

Ich weiß es nicht.

Im Gegensatz zu den im siedenden Fett herausgebackenen Erdäpfeln. Die kennen ihre Bestimmung, ihren Wert, die Aufgabe, die zu erfüllen sie in feinste Scheiben einst geraspelt wurden, sehr genau und verhalten sich entsprechend wohlfeil.
Ich könnte sinnlos pöbeln, mich über die trivialen Banalitäten der Tagespolitik recht defätistisch äußern, doch, rechte Freude will dieses Unterfangen bei mir nicht gedeihen lassen, denn, so ist nun mal der Lauf der Dinge, die Dummheit des Einen von heute ist das Vergessen der Anderen von Morgen.
Und so zu agieren, nur mich ausnahmsweise mal einer verwirrenden Form der schriftlichen Formulierung zu bedienen, das scheint dann doch recht plattitüdenhaft. Zumal es dort draußen eine ganze Menge, ja ihre Zahl will Legion erscheinen, diverser Schreiberlinge, die sich in diesem Metier, zuweilen recht erfolgreich, doch meist nur um des platten, kurzen Witzes wegen, damit an Dritten, ob diese es verdient haben, steht dann in einem davon zu unterscheidenden Bezug, hart abzuarbeiten wissen.
Wie gesagt, die Fritteuse des einen am Morgen, stellt den aus dem Müll entrissenen Küchenkrepp des anderen am Abend dar; fad, vergammelt und schon lange nicht mehr nutzbar.
Die großen Fragen nach dem Wirken, der Funktion, dem Zusammenspiel der Kräfte im Universum, zu beantworten, mag von philosophischer Seite nicht ganz von der Hand zu weisen sein. Auch das Verständnis von den Dingen, um ihnen, in ferner Zukunft, einmal einen praktischen Nutzen abzugewinnen, einen Umstand zu entdecken, der uns die Selbstauslöschung noch einmal vereinfacht, doch hier, auf dieser Plattform, den einen oder anderen Gedanken mit dem Rest der Menschheit, so sie denn existiert und nicht nur ein Konstrukt einer übergeordneten Entität darstellt, die wiederum daran zweifeln mag, ob sie nun allein in ihrer Faktizität oder im Zusammenschluss mit anderen ihrer Art ein Dasein fristen mag, dieser Gedanke lässt sich bis in die Unendlichkeit fortführen, ein Zustand, der dem menschlichen Bewusstsein ohnehin nicht vorstellbar ist, bereitet mir persönlich große Freude, doch denke ich, dass es mir nur marginal gelingen mag, den einen oder anderen Leser, Hörer, Leider meiner Auslassungen wirklich dafür zu begeistern.

Und ja, ich verweigere mich bewusst der Verhunzung der Grammatik, durch eine postamentierte Selbstbeweihräucherung.

Die Würdigung eines anderen Individuums wird in keiner Weise durch eine den Lesevorgang über die Maßen verkomplizierende Schreibweise ermöglicht.
Vor circa 3,77 Milliarden Jahren traten die ersten Einzeller auf dieser unserer Welt auf. Seit dieser Zeit gab, und gibt es eine gewachsene Kommunikation, die das Verständnis zwischen zwei oder mehr Existenzen sicherzustellen in der Lage ist. Sprache ist also von Generation zu Generation gewachsen, hat sich gewandelt und den Gegebenheiten angepasst, aber der Versuch, sie mit aller Macht umzukrempeln, um dennoch das Gleiche auszudrücken, grenzt manches Mal an eine recht totalitäre Herangehensweise an den Umgang mit den Mitmenschen.
Da mir ein solches Denken recht zuwider ist, verteile ich meine Ablehnung doch gerecht unter den merkwürdigen Zweibeinern da draußen, die, meist fortgewischt vom Boden der Tatsachen, durchs Netz, die Nachrichten, Meldungen aus der Gesellschaft, den alltäglichen Wahnsinn teilend, irrlichtern und ihre kleinen Begehrlichkeiten, moralischen Empörungen über jeden, der es wagt, die eigene Überzeugung durch Nachfragen in Zweifel zu ziehen, am liebsten auf einem digitalen Scheiterhaufen, einem Bilderpranger, einer eisernen Gedankenjungfrau verortet wissen wollen.

Da hab ich mich doch tatsächlich dazu hinreißen lassen, mich über die momentanen Debatten urteilend zu äußern. »Böses Händchen!«

Will ich doch nur Betrachter von außen, Analyst, vielleicht sogar Chronist für meine kurz bemessene Spanne, sein, die mir der Zusammenhalt der Atome und Moleküle, sei es nun durch einen schwachen Magnetismus im Bereich der Quanten, sei es durch einen großen Plan, der alles vorausberechnet haben will, durch meine Exegesen, diese Elaborate, die vielleicht den einen oder anderen Erfreuen mögen, sicherlich zum intensiven Lesen anzuregen wissen, da eben, so wie es nun meine Art ist, der Inhalt mehr als Wimmelbild daherkommt, gewähren mag.
Vielleicht ist auch schon morgen, oder im November, Schluss mit der ganzen Blödelei, den Verballhornungen des Wortes, des geschriebenen, denn weiß ich, auf welche Weise das Erdenrund sich weiterdreht? Ein Vulkanausbruch, der eine neue Eiszeit einläutet, und damit all den Forderern, dass das Klima auf immer stabil zu sein habe, einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen könnte, vielleicht auch ein hurtig nahender Gesteinsbrocken, der diese blaue Perle im Weltall wie eine Bocciakugel so zu irritieren in der Lage ist, dass all das Fordern der Elektromobilität, mit einem Mal hinfortgewischt sein könnte, einfach weil alle Straßen von jetzt auf gleich verschwinden, oder ein weiterer Erreger, der dann, ganz nach dem Wunsch der Virologen, tatsächlich die ersehnte Apokalypse herbeiführen darf.

Und dennoch, da halt ich’s mit dem nun scheel betrachteten Reformer, der seine Thesen einst an eine Kirchentür genagelt wissen wollte, so als ahnte er, dass dies Vorgehen einer Selbstkreuzigung nicht unähnlich erschien: Und wen ich wüsst’, dass Morgen die Welt unterging, so pflanzte ich dennoch heut’ ein Apfelbäumchen, ich denke weiter über Versäumnisse des Homo sapiens, obwohl von »wissend« eigentlich nicht die Rede sein kann, nach und schreib sie nieder für das Jetzt und auch die Nachwelt.