von Thomas Günter

Verzeihen Sie mir diesen kleinen Ausbruch subtilen Schabernacks. Ich gelobe keine Besserung.
So lausche denn Volk, andächtig meinen Auslassungen und folge unbeirrt dem Pfad, den ich zu gehen bereit zu sein scheine, auf dem Weg zur Weltherrsch …, in einen steten Erkenntnisgewinn für alle Belange des täglichen Lebens, des Umgangs mit den Unbilden, die unser Planet, das Sonnensystem, die Galaxie ja das gesamte Universum als andauernden Quell unserer Verunsicherung aufzubieten hat.
All der Bücher Wissen Last beeinträchtigt nur in einem geringen Maß die Abscheu, die ich in der Lage aufzubringen bin, gegenüber dem Geschlecht, das Adam und Eva einst berufen waren, von höherer Stelle, zu begrünen, … ne, zu begründen.
Obgleich des Leibes Acker sie angehalten waren, ihn andauernd zu bepflügen und besäen.
Und wie sollen sie es dann geschafft haben, mit nur zwei männlichen Nachkommen, den Brüdern Kain und Abel, ohne weibliches Pendant, die hysterische und hypertrophe Masse von derzeit knapp acht Milliarden lebenden Nachkommen zu erzeugen? Eine Frage, die auch mit besten Willen nur mystisch zu erklären wäre.

War’s der Apfel, die Frucht der Erkenntnis, der uns in dieses Dilemma brachte? Da fragen sie besser nicht die Obstbauern im »Alten Land«, von der Hauptstadt aus jenseits der Elbe gelegen, dem großen Schicksalsfluss der Deutschen.

Nun fragen Sie sich zu Unrecht, die Elbe, ich denke der Rhein mit seiner Lorelei, dem mythehaften Ursprung und der Verschmutzung durch die Kohle-, Petrochemie- und Stahlindustrie, die sowohl vor als auch nach der Zeit der beiden Weltkriege den Wohlstand ihrer Anrainer zu mehren wusste, sei unser Schicksal.
Dann schauen sie mal bei dem Typen nach, der erst im hohen Alter versuchte, Lesen und Schreiben zu lernen. Ersteres funktionierte nach einiger Übung ganz passabel, das Zweite erlernte er niemals. Ob seine Hand durch das dauernde Führen des Schwertes zu so einer diffizilen Bewegung nicht mehr fähig war, oder er zu faul, liegt im Dunkel der Geschichte verborgen.
Sei’s drum, erst durch seinen Eingriff wurde unseren Vorfahren, diejenigen, die sich in der Spätantike, nach den Umwälzungen der Völkerwanderung dort niedergelassen hatten, christianisiert und damit der Grundstock für die Glaubenskriege, den Rassismus, die Ablehnung anders Denkender, anders Aussehender, anders Riechender und anders Essender gelegt.
Sie wissen noch immer nicht, von welcher Person die Rede ist? Ich spreche vom Enkel Karl Martell’s, dem Hammer, dem es gelang, die Mauren in Spanien in ihre Schranken zu weisen und der noch heute in unzähligen Puppenspielen auf einem der schönsten Fleckchen dieser Erde, Sizilien, als Held besungen wird.
Erst durch dessen Taten, also die des Enkels, nicht die des Großvaters, gelang es, dieser Institution, die doch dem Seelenheil der Menschen dienen soll, was sie im Kleinen auch unbedingt vollbringt, ein echter Global Player zu werden und ihre bis dahin kühnsten Träume von Macht, Reichtum und Einfluss nicht nur wahr werden zu lassen, sondern weit zu übertreffen.

So viel zum Vorspiel und der Mehrung ihres Wissens.

Ja, alles in der Geschichte, auch noch so weit in der Ferne der Vergangenheit zurückliegende Ereignisse, Entscheidungen und Entwicklungen werfen immer einen langen Schatten in unsere so aufgeregte Zeit.
Allein die Tatsache, dass irgendwer, irgendwann vor ein paar Millionen Jährchen, auf die kuriose Idee kam, dass vielleicht auch auf dem staubigen Etwas, heute betiteln wir es mit dem allumfassenden Begriff Boden, am Fuß des Baumes, auf der er lebte, liebte, fraß und starb, Nahrung zu finden sei und deshalb hinabstieg, um danach, also dem Verzehrbaren, zu suchen, hat Auswirkungen auf die derzeitige Form der Zivilisation. Es gäbe sie nämlich gar nicht, wenn dieser absurde Gedanke nicht mit einem Mal in der Welt gewesen wäre und nach den Gesetzen der Nachahmung weitere Überlegungen einfach im Orkus des Vergessens verschwanden.
Dann führte recht schnell eins zum anderen, also gemessen an der Spanne, die so ein durchschnittliches Universum benötigt um in einem initialen Kataklysmus zu entstehen und am Ende der Zeit, sprichwörtlich, entweder einfach aufhört zu existieren, oder wieder in sich zusammenplumpst.

Mir will diese Vorstellung gefallen, wie ein Luftballon, aus dem recht schnell die Luft ausritt.

Möglicherweise sind wir aber auch nur die konsequente Weiterentwicklung einer maximalen Materie- und Energiekonzentration einer anderen noch absurderen Entwicklung in der sich so etwas wie ein schwarzes Loch gebildet hat, aus der nicht nur wir, sondern auch unzählige andere Realitäten, Faktizitäten oder Universen entstanden sind.
Doch eigentlich führt diese Überlegung zu keinem sinnvollen Ende, da wir es wahrscheinlich sowieso nicht herausfinden werden, die Zeit dafür, die uns verpachtet wurde, reicht einfach nicht, die technologischen Möglichkeiten ohnehin nicht und in der augenblicklichen Entwicklung, die wir seit einigen Wochen rasant beschleunigen, wird es wohl auch bald nicht mehr wünschenswert erscheinen, überhaupt noch ernsthafte wissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen, da Ideologie und zweifelhafter Glaube aus einer selbst erhöhten moralischen Position heraus, Beweis genug sein werden.

Die Andersartigkeit der Realität stellt dann nur noch eine zu vernachlässigende Nebensache dar.

Doch eigentlich, und das stellt ja den Grundstock, die Idee, das Ansinnen dieser, meiner kleinen absurden Ausflüge in die Untiefen des menschlichen Geistes, des Tagebuchs des Privattieres, dar, widerfuhr auch mir ein, mit nur 4 Euro zu erlangender, erheblicher Erkenntnisgewinn.
Der Beweis, dass ich mit dieser, im ersten Augenblick gering erscheinen Menge Geldes, einen nicht unerheblichen Beitrag zu leisten in der Lage bin, dass für all das, wofür Vater Staat nur bedingt Lust hat Kohle zu berappen, durch eben eine Lotterie sehr vorteilhaft zu finanzieren sei, und ein echter pekuniärer Vorteil damit nur einer geringen Zahl Opportunierender zugutekommt.
Dennoch, trotzdem auch, oder gerade deshalb, obwohl ich der Spielsucht wahrlich abhold bin, mich nervt es schon mich mit den Würfelregeln beim »Mensch ärgere dich nicht«, ernsthaft auseinanderzusetzen, versuche ich die launische Fortuna hin und wieder. Vielleicht schmeißt sie ja doch einen wohlwollenden Blick auf mein langsam ergrauendes Haupt, den weißen Bart und die schlechten Augen, erbarmt sich ihrer, also der Attribute des alten weißen Mannes, und schenkt mir ein flüchtiges Lächeln, so dass für einen vergänglichen Augenblick die rechten Zahlen fallen wollen.
Und dann steht die Frage meiner geliebten Ehefrau, der besten Ehefrau von allen (Sie sehen, dass ich in diesem speziellen Fall mein Versprechen eingehalten habe), im Raum: Was willst Du mit dem ganzen Geld? Das letzte Hemd hat nun mal keine Taschen.
Wie recht sie hat. Reichen uns doch die paar Kröten, mit denen wir unser Leben zu fristen in der Lage sind, Hauptsache die Tölen, Köter, Parasiten an unserer Seite, der Quell unserer Erheiterung, Ofen im Winter und hechelnder Begleiter im Sommer, bekommen das beste Futter, dass, nach dem Abstieg von den Ästen des Baumes vor so langer Zeit, für sie zu erhaschen, wir in der Lage sind.
Tierisches Protein für unseren Stoffwechsel, schwierig in Zeiten, in denen dieser Text das Licht des Netzes, den Sehnerv der Erkennenden erleuchten möchte. Nach all den Skandalen, falsch verstandenen wirtschaftlichen Prozessen, der Egalisierung der Ernährung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten, schließlich stellt unsere Generation die erste dar, in der die hart arbeitende Bevölkerung mehr Fleisch verzehrt als die selbst erwählten Möchtegerneliten, ist mir, uns, der Appetit ein wenig vergangen. Weiß ich, ob das Schnitzel da hinten in der Kühltheke nicht bereits ein Dutzend Mal den Kühlkreislauf verlassen hat? Die Vorstellung, dass egal ob es nun Schwein, Huhn, Pute oder Kalb ist, mir bei der Betrachtung im Konsumtempel kaum ein Unterschied auffallen will, beschränkt den Wunsch die gräulich rosa Masse zu erwerben, ganz erheblich.
Es wäre mir ein leichtes in einen Fachbetrieb zu gehen, fußläufig, mit dem Zerknalltreibling nach ausgiebigem Spaziergang mit den oben erwähnten Zeiträubern und Freudespendern, und dorten etwas zu erwerben, allein das Zutrauen, so wie bei einem Rehkitz, dass mit der Hand, der Flache aufgezogen wurde, ist abhandengekommen.

Doch stellt dieser Umstand, diese Entscheidung, eine freiwillige, nach den Möglichkeiten, die uns die Umgebung der Unendlichkeit überhaupt zu bieten in der Lage ist, dar.