von Thomas Günter

Sind es nun die geraden Tage, die ungeraden, an denen ich mich mehr der Schreiberei zu widmen versuche, wen interessiert das schon, da selbst eine Gaußsche Normalverteilung noch das Doppelspaltexperiment, ob nun beobachtet oder vollkommen von der Außenwelt ignoriert und damit ein komplett anderes Ergebnis erzeugend, darüber Auskunft zu geben, in der Lage sind, wären, werden sein und waren.
Zumal es für den Fortlauf dieser, wie auch aller übrigen Inkarnationen eines zweifelhaften Gründungsmythos über die maximale Kompression von Energie und Materie im Grunde ohne Bedeutung zu sein scheint, zu welchem Zeitpunkt, diese, meine, die Auslassungen eines Privattieres über sein Leben entstehen und veröffentlicht werden.
Dabei sind es nicht einmal die Tage selber, die ungerade sind, sondern ausschließlich die Zahl, durch die sie eine weitere Definition erfahren, die sie in eine reproduzierbare Einteilung hineinpressen, um relevante historische Begebenheiten, eklatante Fehlentscheidungen und wichtige soziokulturelle Ereignisse, wie die Vermählung in ihrer Hybris gefangener Doppel Z-Prominenz, für die Nachwelt festzuhalten.
Dennoch und das stellt die vordergründige Motivation dieses Verhaltensmusters in den Augen des Autors, begnadet klänge in diesem und anderen Zusammenhängen vermessen, da selbst mir die eigene Genialität zuweilen etwas übertrieben vorkommen will, und da Eigenlob stinkt, werde ich, wie auch schon in der länger zurückliegenden Vergangenheit, in Zeiten, als alles, wirklich alles nichts anderes als eine undifferenzierte Suppe aus exotischen subatomaren Partikeln darstellte, ebenso wie für die Zukunft, wenn all die dystopischen Vorstellungen der begnadeten Geister, die sie zu ersinnen auserkoren schienen, sich bewahrheitet haben werden, mich solcher und vergleichbarer defätistischer Äußerungen sicherlich nicht mehr enthalten, als bisher.

Aber egal welche große Zählung,

ob nun die Augustussche, begleitet von der Ankunft eines Kometen, die absoluten Widerstand aller Westdeutschen der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts hervorrufende, eine Umwandlung des Kalenders mit dem Wegfallen einiger Tage, damit Papst Gregor sich selber in einem besseren Licht ausstaffieren durfte oder die Taktvorgabe in unseren kleinen Begleitern, den elektronischen Tyrannen, auf denen wir mit unegalen Fingern herumwischen, um andauernd mit dem unbedeutenden Rest der Welt sinnfrei zu kommunizieren, mir gefällt, anzuwenden, sie entscheidet definitiv nicht über die von mir ausgeübten Tätigkeiten.
Ein Wetter, so wechselnd wie das heutige, an oben aufgeführten Datum, wenn Sie’s nicht verstehen, dann müssen sie halt ein wenig nachrechnen und die offizielle Föderationszählung verinnerlichen, obgleich sie in TOS noch keinem erkennbaren Schema folgte, sollte in mir eine Seite zum Klingen bringen, die einen unaufschiebbaren Zwang hervorriefe, mir eine der diversen, natürlich ausschließlich analogen Knipsen, mit Ausnahme der digitalen Fänger des Augenblicks, zu schnappen und die Momente, die kurzen Sekunden, die wie ein Stillstand allen Seins erscheinen mit einer tausendstel Sekunde für immer zu konservieren.

Das Himmelszelt,

die so lange als Kuppel angesehene Trennung unseres fragilen Lebensraums von dem kalten, gnadenlosen Nichts der Unendlichkeit, zumindest bis an die Grenzen dessen, was wir zu erkunden in der Lage sind, ist gezeichnet in betörend schönen Wolkenformationen, die, teils dramatisch, teils wie die sprichwörtliche Herde friedlich grasender Schäfchen dahinzieht, durchbrochen vom intensiven Azur der oberen Atmosphärenschichten und den lebensspendenden Strahlen unseres Zentralgestirns, jener im Verhältnis zu den Überriesen winzigen Sterns, und bettelt nachgerade um die Ablichtung.
Ich stattdessen, hocke vor dem Bildschirm, ersinne kuriose Satzmonster, deren einzige Bedeutung darin liegen mag, den Lesenden endgültig zu verwirren und den Rest Verständnis für die Vorgänge um uns herum unkenntlich zu machen, und hätte, so ich dem Wunsch nachginge, den ich zuvor zaghaft anzudeuten den Mut aufbrachte, ein schlechtes Gewissen, nicht so sehr, dass ich einen Ablassbrief erwerben sollte, dem altvorderen Analogon der aktuellen Geldmarktpolitik, aber dennoch schleicht sich immer wieder, nicht unablässig, doch mit einer kalendarischen Regelmäßigkeit, der bohrende und nagende Gedankengang ein, dass sowohl das Erstellen, wie auch das Entwickeln, die Digitalisierung genauso wie die darauf folgende Ausbelichtung im hybriden Arbeitsgang, eine vermeintliche Verschwendung meiner allzu knapp bemessenen Spanne, die mir zu existieren in dieser Faktizität gegönnt sein mag, darstellte. Das Verschieben der Regler, die Veränderung der Farbtemperatur, das Aufhellen der Schatten, die Zurücknahme von Spitzlichtern, das daraus entstehende Spiel von Dunkelheit und Strahlendem, die Korrektur einzelner Kolorate, das individuelle Anpassen an meinen ganz persönlichen Geschmack, der, obgleich wir sonst in den großen Fragen des Lebens immer einer Meinung sind, doch markant von dem meiner geliebten Ehefrau, der besten Ehefrau von allen (eine immanente Information, die zum Verständnis von so vielem unabdingbar erscheint), abweicht, da mir helle luftige Farben, besonders in Landschaftsaufnahmen am kleinen Herzchen liegen, ihr dagegen eher düstere erdige Kolorierungen in der Stilllebenfotografie Vergnügen bereiten, will mir manches Mal erscheinen, als verschwendete ich Arbeitszeit, die ich noch, gewohnt aus militärisch anmutender Taktung, die doch nur aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit erwuchs, vermeintlich, und hier liegt der Hase im Pfeffer, Faust I, besagter Würfel, der gefallen ist, um auch den Zirkelschluss zum gestrigen Beitrag elegant zu ziehen, das Ei des Kolumbus, dass diese Dezennien andauernde Verklausulierung meines Geistes, gleich der Gehirnwäsche in einem politischen Umerziehungslager, immer schmerzlich in meinen Eingeweiden spüre.
Lange Rede, noch mehr Unsinn, statt die Kamera elegant am schmucken 60er Jahre Riemchen über die geschundene Schulter zu schmeißen und die Welt nurmehr durch Sucher und Linse zu betrachten, pack ich doch nur die beiden Köter, den Italolappen und die alte ungarische Dame in den Fond des Zerknalltreiblings, rolle, rutsche, mich über die Unverfrorenheiten der hauptstädtischen Automobilisten wundernd, den kurzen Weg, die leicht erwartbare Strecke von der Wohnung hin zum, sie wissen, wenn Sie aufmerksam meinen Beiträgen zu folgen in der Lage sind, welch Formulierung nun den Eingang in dieses Elaborat erfährt, und da schon dem großen Julier, wie bereits erwähnt, die Wiederholungen missfallen, so lass ich’s hier und heute ausnahmsweise mal geschehen, dass Sie den Teil mit eigner Geisteskraft erkennen mögen, und erlaub, mit nicht minder bangem Denken, dass gleichzeitig die Bearbeitung eben dieser Malerei mit Licht erzeugt, hier wie dort in meinen Überlegungen den Funken aufkeimen, schon wieder Lebenszeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

So schwankt mein Gemüt, doch nicht wankelmütig,

zwischen diesen beiden Zuständen, gleich einem Dampfer, einem Frachter, der, mitten in einem Wintersturm im Südatlantik, zwischen haushohen Brechern und Wellen schlingert, hoffend die Ladung nicht zu verlieren, hin und her, gefangen in den Überlegungen und Zwängen, dem einen wie dem anderen Vergnügen, dem Schreiben und dem Fotografieren, dass die Zeit sie zu genießen ich mir erlaubte, einfach zu nehmen.
Gleichsam hängt mir, einem Vampir, einem Nachtalp ähnlich, doch immer auch dieser andere Gedankengang, ganz leise nur, ein Wispern, entfernt und doch präsent, im Nacken, der all mein Tun, mein Streben, meine Wünsche, Hoffnungen und die kleinen kuriosen und verwinkelten Gedankengänge unterwandert, wie eine fünfte Kolonne, die noch immer ihren zersetzenden Einfluss, obgleich der Kampf schon lange für sie verloren ist, durchsetzen möchte, und versucht mir ein ums andere Mal, ganz so, wie ich es eingangs, als ich begann, die Erlebnisse eines Privattiers auf dem Weg in die selbstgewählte Freiheit im Denken und Handeln, aufzuzeichnen, in den ersten Tagen und Wochen erging, da die vordergründige Gewohnheit noch die Oberhand über mein Leben zu halten glaubte. So verwundert es mich doch immer wieder, wie sehr die Prägung, dies antrainierte Verhalten, dass einem Iwan Petrowitsch Pawlow und seinen Hunden, die mit einer klingenden Glocke trainiert wurden, einer Glocke, die ihnen vorgaukelte, dass es Nahrung gäbe, zu Ehre gereichen würde, mich auch nach all diesen Monaten, Jahren, die ich ihr nun entflohen scheine, immer noch in verborgenen Winkeln meiner Erinnerung, in den tiefen, düsteren und feuchten Kellern meines Bewusstseins eine unerwünschte Existenz zu fristen in der Lage ist.

Fast so, wie die Calvinistische Einstellung zum Leben, unserem Leben, nun seit Jahrhunderten die Handlungsweise von Menschen nachhaltig immer wieder dahingehend korrigiert, damit wir funktionieren und dem Konsum zu keinem Augenblick unserer Existenz abtrünnig werden.