von Thomas Günter

Bei der Vor- Nach- und Zwischenkontrolle des zuvor veröffentlichten Textes bemerkte ich voller Entsetzen, dass mir ein kaum wiedergutzumachender Lapsus aus den flinken Fingern, beim Erstellen der schrulligen Begebenheiten aus meinem nichtigen Leben, glott. Ob ich mir jemals selber werde verzeihen können, die Buchstabenkombination: CaptainsLog, vergessen zu haben, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht beantworten und werde es auch in der Vergangenheit niemals können, also eine Aussage über den Umstand treffen, nicht das, was Sie schon wieder denken.
Dabei trieb den Autoren doch nur die Vorstellung voran, jagte mich vor sich her und scheuchte meine Finger über die Tastatur, den einen, diesen uniformen, exponierten und sonderbaren Gedankengang, den ich die Güte großherzig aufzuzeigen wusste, in der Vergangenheit, dieser Periode, die nurmehr in einer verwehenden Erinnerung eine dunstige Existenz bewahren darf, bereits Eingang in die Absonderlichkeiten der ausufernden Ausführungen gefunden, die Ehre hatte, fortzuführen.
Die Idee, diese Epiphanie, eines archimedischen »Heureka« würdig, grub sich, wie ein hungriger Holzwurm ins Dachgebälk einer altersschwachen Wohnstatt, in meinen ebenso wackeligen wie verworrenen Geist, wuchs hier genauso wie dort, reifte, entwickelte sich und hüpfte schließlich wie ein Springclown aus der Kiste hinaus in die Welt.

Das Bild, diese imaginäre Darstellung,

dass um einen mit grünem Filz bespannten Tisch, eine Horde laut lärmender, zigarrenpaffender, immer einen edlen Tropfen im Glas Genießender, ganz für sich seiend und dabei die Belange des Universums, der diversen Multiversen Vergessender, hockt und dabei auswürfelt, wer der beste und nächste Blitzeschleuderer sei, amüsiert mich zutiefst.
Man stelle sich das mal vor, da hockt diese gesamte Bagage, sich selber göttlich nennend, manches Mal aber auch von unseren Vorfahren, die wahrlich in keiner Weise unbedarfter erschienen, als unsereins, so getauft, in einer Einöde, vielleicht extradimensional, vielleicht auf einem verlorenen Planeten, vergessen, vielleicht auch, so wie die Propheten von Bajor, in einem Wurmloch, einer Einstein-Rosen-Brücke, kauernd und auf das Schicksal der Galaxie, auf das Gestern, Morgen und sogar das Heute, starrend, und zocken Stund um Stund, tagein, tagaus, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Zeitalter für Zeitalter mit gezinkten Würfeln die eigene Überheblichkeit und Selbstüberschätzung aus.

Eine verfallene Götterhämmerung,

eine winzige Schmiede, die Esse schon lange ausgeglüht, die Werkzeuge unordentlich auf zerfallenen Holztischen, langsam verrostend, lieblos verteilt, ein alter Wetterhahn zieht knirschend und kreischend auf dem von Holzwürmern ausgehöhlten Dachstuhl einsam seine Kreise, darauf wartend, dass endlich, nach Äonen des Stillstandes, mal wieder ein Lüftchen weht, und aus dem Inneren dringt dennoch immerwährendes, für den Rest aller Faktizitäten vollkommen irrelevantes, Geplänkel.
Da hocken sie nun auf den brüchigen Schemeln, Wesenheiten, die ersonnen oder wahr, vor 4,8 Milliarden Jahren, als unser Planet, die Erde, noch als glühende Billardkugel im Strudel der Gravitationsgezeiten umher schoß, bereits den ersten Same des Lebens dort einpflanzten, Behelmte, Gehörnte, Tiergesichtige, Wesen mit weißen oder schwarzen Flatterflügeln, Götter von einem Schweizer Hotelier erdacht, Erklärungen für all die unglaublichen Wunder unserer Welt, sei’s Donner, sei’s Blitz, sei es ein schattiger Hain, eine kühlende Quelle, an einem Hort, einer Oase, die niemand an solchem Ort vermutete.

Sie langweilen sich,

sind sie doch ihrer Bedeutung beraubt, denn die Menschheit, ihr Lebenssinn, Zweck ihres Daseins, Herkunft ihrer Macht, ihrer Kraft und ihrer Herrlichkeit, hat den Glauben an sie, an Isis und Osiris, Thor, Wotan, Odin, Ba’al, Shiva, die weise Pallas Athene, an Zeus oder Jupiter, Manitu, Petrus den Wächter der Himmelstore, Quetzalcoatl die geflügelte Schlange der Maya und Atztheken verloren, vergraben und in den Untiefen seiner Belanglosigkeit einfach über Bord gekippt.
Wie also sollen sie sich die Zeit bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter vertreiben, wenn nicht im sinnlosen Fall der Würfel, um wenigstens noch zu bestimmen, wer als Nächster noch einmal, für einen kurzen Augenblick der Ewigkeit, seinen Hammer auf den Amboss schlagen darf, voll Zorn den Blitz hinab auf’s Erdenrund zu schleudern vermag, die dunklen Wolken über den Himmel jagt, und dabei hoffend, dass die ehemals Schutzbefohlenen, wenigstens für einen Moment den Blick nach oben richten, weg von ihren Smartphones, Bildschirmen, Tabellen und Zahlen, und die Idee des Wunders, dass dahinter verborgen liegen mag, staunend zu erleben und genießen.
Mir aber, als Privattier, Stupor Mundi, Stauner der Welt, bleibt für jetzt nichts anders übrig, als diesen Text für heute zu verlassen, denn draußen, über dem Himmelszelt, jagen dräuend dunkle Wolken, ein im hellen Zorn geworfener Blitz des Göttervaters zuckt hindurch und wirft sein gleißend Licht hinunter. Und Teutates sorgt dafür, das Ceres Kinder ausreichend Wasser aus den Schleusen des Himmels erhalten, er selber, der Himmel, uns aber nicht auf den Kopf fällt.

Kurzum, ich muss die Wäsche reinholen, damit sie nicht noch einmal nass wird, die Kissen von den Gartenstühlen klauben und der großen Fellnase, dem Italolappen, die Pfötchen halten, denn er ist ja so sensibel.