von Thomas Günter

Wenn ich den Anweisungen meiner über alles geliebten Frau, der besten Ehefrau von allen (dieser Hinweis ist vor allem für all die merkwürdigen Kreaturen bestimmt, die nicht über die klassischen Sensoriken verfügen), demütig folge leisten sollte, dann werde ich bemüht sein, die Anzahl der eingeschobenen Nebensätze, Zusatzinformationen und verwinkelten sowie verschleierten Kernaussagen auf ein vertretbares Maß zu reduzieren.
Das dadurch jedoch die Schönheit, die Komplexität, das Absurde und das Leerreiche dieser Aussagen litten (ein Hinweis an alle Hörenden, der Jux versteckt sich in diesem speziellen Fall im Geschriebenen), will an dieser Stelle nicht vollkommen in Abrede gestellt sein.
Dennoch bemühe ich mich, ein größt mögliches Level an Kuriosität beizubehalten.
Doch während ich den zuvor aus den Fingern geschraubten Satz, die wahrlich kurze Phrase, noch einmal Revue passieren lasse, beschleicht mich der unbedingte Eindruck, dass damit ein guter Teil der Durchschlagskraft verpufft, wie ein nasser Pfennigschwärmer beim globalen Jahresendgelage.
Gleichzeitig amüsiert mich die Aussage, dass ich mich bemühte, diese oder eine divergente, vielleicht auch eine vergleichbare Ausdrucksweise in irgendeiner Form zu reduzieren, bedeutet dieser Begriff doch in einem Arbeitszeugnis eine vernichtende Aussage über die angewandten Fähigkeiten des zu Beurteilenden.

Und so schwafel und schwadronier ich,

das Privattier, der Autor, Schriftsteller, Hundeversteher und Langsamfahrer, Sie erinnern sich, still und leise vor mich hin, ohne eine klare Vorstellung davon zu bekommen, über welch absurde Begebenheit aus meinem Leben, dieses Planeten, den angewandten Wissenschaften, irgendeiner Verschwörungstheorie oder dem alltäglichen Irrwitz ich mich behufen fühlen sollte, angelegentlich, einen Bericht zu verfassen.
Denn viel von dem, was uns umgibt, will sich mir, wie nasser Sand, der bei einem Aufenthalt am Strand, bei Flut, durch die barfüßigen Zehen quillt, entgleiten, um in einer kauzigen Form davon zu berichten.
Außerdem, das stellt ein zusätzliches Aporem dar, behindert der Zwang, in jedem Augenblick eine unpolitisch inkorrekte Einsage treffen zu müssen, um in dieser Phase der Kulturgeschichte dieser merkwürdigen Rasse aus Zweibeinern, die vor über fünf Millionen Jahren beschloss, von den Bäumen herunterzuklettern und aufrecht gehend, aber nicht aufrecht denkend, diesen Planeten für sich zu erobern und damit für alle Zeiten einer außerirdischen Okkupation zu entziehen, nicht anzuecken, die wahrlich ungebremste Verwendung des gesamten heimischen Sprachschatzes.
Schließlich erzeugt die momentane Forderung der unbedingten Egalisierung aller, geboren aus dem uneingeschränkten Verlangen der absoluten Individualität, dass gerade dadurch die Einmaligkeit, die allem vorangestellt werden soll, aufgegeben wird, da die Forderung nach Gleichheit eben diese Möglichkeit regelrecht aufzehrt. Vergleichbar dem Phänomen, dass während der Französischen Revolution auftrat, dass ein solcher Umschwung als erstes seine Kinder vertilgt.
Aber das ist nicht komisch, dazu will mir auch keine, wie auch immer geartete spitzzüngige Formulierung einfallen, keine Verdrehung des Satzkonstruktes, kein Bonmot in Form einer verwirrenden Verklausulierung.

Den dort, wo eigentlich Gleichheit, Égalité,

herrschen sollte, wird sie durch die oben angeführten Wunschvorstellungen niedergebrüllt, fortgewischt, ausradiert und im schlimmsten Fall negiert.
Die geheimen Gedanken eines Privattieres, der ausreichend Zeit gefunden hat, all die Unzulänglichkeiten, des sich selber in seiner grenzenlosen Hybris benannten Homo sapiens, zu eruieren und versucht, diese für sich einzuordnen.
Wie simpel und profan wirken doch dagegen die Kalamitäten, die durch den krampfhaften Versuch des allumfassenden Internetkonzerns, der ein Gros der aktüllen Kommunikationsgeräte, auch die aus dem Reich der Mitte produzierten, trotz deren mannigfaltiger Einschränkungen, in der Unterhaltungs- und Kaufrauschindustrie genutzten, mir, besser dem kleinen Gerät mit der berührungssensitiven Glasscheibe, die immer und überall einen Blick in die Untiefen des menschlichen Geistes und seiner Schaffenskraft ermöglicht, ja geradezu erzwingen möchte, hervorgerufen werden, bei dem Versuch, die neuesten Ausspähungsoptionen aus dem Netz der Dinge in den kleinen Speicherchip zu pressen. Und das mit einer Vehemenz, die für so manch anderes Projekt durchaus wünschenswert wäre.

Und dennoch stellt so etwas die kleinen Alltäglichkeiten dar,

so unbedeutend sie auch erscheinen mögen, mit denen ich mich, der Autor, das Privattier, Verfasser kleiner Glossen und Erzählungen aus dem weltweit bekannten und berüchtigten Absurdestan, herumschlagen darf, endlich will ich behaupten, nach Jahrzehnten der Quälerei, des Unwohlseins, der Gefangenschaft im falschen Leben, wie es im Neusprech hieße: Ich glaub, ich steck im falschen Film, und freue mich darob, mich eben nurmehr damit befassen zu müssen, um die Möglichkeit zu nutzen, meinem Geist freien Lauf zu lassen, der Phantasie Flügel zu verleihen und den Gedanken endlich die Möglichkeit zu gewähren, ungebremst umherzuschwirren.
Und dennoch, die Differenz, die in der gesamten Schönheit, Vielfalt und Komplexität zu erkennen, ihnen auf immer verwehrt sein wird, da sie darin besteht, bestehen wird und bestanden hat, eine Inzidenz die beinah mit dem Paradoxon einer Zeitreise, wenn es ihnen gelingen sollte den eigenen Urgroßvater als Kind zu meucheln, verwandt sein dürfte, dieses Elaborat, die Elegie, dieses Pamphlet und philosophischen Exkurs in einer einzigen konzertierten Fusion, zu einem komplett anderen Zeitpunkt geschaffen wurde, geschaffen wird und geschaffen werden wird, so zumindest in der gebräuchlichen Flexion dieses Verbs, als demjenigen, an dem Sie seiner ansichtig werden dürfen, nur aufgrund meiner scheinbar grenzenlosen Güte und Großherzigkeit, so oder so ähnlich, erscheint es zumindest, wenn man nur Teile des Textes und das auch noch in der falschen Reihenfolge konsumiert.
Sehen Sie, es gelingt tatsächlich, zumindest in einem ausufernden Maß, die Sätze, Aussagen und Informationen auf ein kaum mehr zu reduzierendes Minimum zu komprimieren.

Hoffentlich zur Erheiterung meiner Ehefrau, der besten Ehefrau von Allen (aber das hab ich, zumindest in diesem Fragment, bereits ausführlich erläutert), die mich hernach lobend an anderer, hier nicht zu erwähnender Stelle, hervorzuheben vermag.