von Thomas Günter

Die Tage, sie dümpeln dahin, ob nun mit oder ohne Corona.
In meiner Imagination erhebe ich mich von der Liegestatt, ich berochtete bereits, führe die Hunde hinaus in diese Welt, auf dass wenigstens sie so etwas wie Lebensfreude empfinden. Pflanze mich dann an den Schreitisch, und nein Lärme nicht, sondern wringe mir abstruse Texte aus dem grauen Klumpen Eiweiß, der auch gern Hirn betitelt wird.

Durch eine glückliche Fügung der Evolution,

bin ich sogar in der Lage, auch dank des opponierenden Daumens, diese dann, mithilfe eines merkwürdigen schwarzen Kästchens, auf dem lustige Symbole zu erblicken sind, wie von Zauberhand, nicht nur für mich selber, sichtbar erscheinen zu lassen, sondern sie auch noch über das Netz der Dinge mit der ganzen weiten Welt zu teilen. Immer vorausgesetzt, sie existiert nicht nur in meiner Vorstellung, sondern ist wirklich und wahrhaftig real.
Doch wer glaubt das eigentlich noch, in diesen Tagen des Wahnsinns, die wir zu erleben sicher nicht geboren wurden.
Gleichwohl ich für meine Person, meiner biologischen Pflicht, den Forterhalt der Gattung Mensch aufrecht zu erhalten, bisher nicht nachgekommen bin, und dies wohl auch nicht mehr zu tun gedenke.

Damit hab ich den Sinn des Lebens eigentlich verfehlt.

Sei’s drum, es ist nun mal, wie es ist, und ich bin bei weitem nicht der Einzige. Im Gegenteil, in meiner Wahrnehmung ist es sogar besser, dass ich mich aus dem weltweiten Genpool herausgeschlichen habe, wer weiß schon, was herausgekommen wäre. Ein Zweiter meiner Art, ich fürchte, dass das die Kapazitäten dieser beschränkten Welt gesprengt hätte.
Es wäre mir ein leichtes, den lieben langen Tag herumzusitzen und mich mit dem Irrsinn, der uns so umgibt, vollzeit zu beschäftigen. Doch will ich das? Mitneffen, besser, mitnichten, denn ich würde mich nur ärgern. Der Adrenalinspiegel würde so hoch empor steigen, dass die Kalotte, wie in einer Slapstick Episode einer siebzehntklassigen Comedy, gleich einem platzenden Fieberthermometer in die Höhe schoss. Dabei gäbe sie auch noch einen schrillen, gellenden Pfeifton zum Besten und aus dem Off erklänge halbherziges Gelächter aus der Konserve.
Stattdessen frage ich mich, ob ich, wir, gemeinsam mit meiner Ehefrau (der besten Ehefrau von allen, eine Information, die nicht der Geheimhaltung unterliegt und sogar in den finstersten Archiven der obskursten Geheimdienste nicht geschwärzt auf Dokumenten anzutreffen ist) eigentlich einem Lebensstil frönen, der in der heutigen Zeit, die angefüllt mit allerlei kuriosen Forderungen erscheint, überhaupt praktikabel ist.
Wir schwelgen nicht im Luxus. Ein Unding in einer Epoche, in der doch der Konsum die Religion ist, der sich alles andere zu unterwerfen hat.
Unsere Ernährung ist zwar nicht frugal, aber doch recht bescheiden. Ja ich möchte beinah behaupten, dass wir sogar ein wenig nachhaltig sowohl Speisen, wie auch Trank bereiten.

Wir produzieren wenig Müll.

Der Onlinekauf ist uns zuwider. Manches Mal lässt er sich aber nicht vermeiden, bei Produkten, die unser Hobby betreffen, beispielsweise. Gibt es doch keine Ladengeschäfte in der Hauptstadt, die die von uns benötigten Waren führen.
So ists nun mal, wenn man in einer hippen Stadt gefesselt an die eigene vier Wände, sein Dasein fristet und sich dem einen oder anderen Anachronismus hingibt, die Ware wird an keinem Ort mehr feilgeboten. So bleibt denn nichts anderes übrig, als den Computer anzuschmeißen, und sich durch das verwirrende Netz aus Kabeln, Funkwellen, anderen Rechenmaschinen, Relaisstationen und Verteilern zu wühlen, auf der Suche nach dem Benötigten.

Doch stellt dies einen Luxus dar?

Entscheiden Sie, da draußen in der Welt, so Ihre Existenz denn bestätigt sei.
Ebenso die lebensnotwendigen Stofffetzen, mit denen wir gezwungen sind, sowohl ob der klimatischen Verhältnisse, genauso nach falsch verstandener gesellschaftlicher Konvention, Manieriertheit und überbordendem Schamgefühl, die Leiber zu verhüllen, lechzen nicht dem ultimativen Modetrend hinterher.
Die Kinder, nun ist es raus, es handelt sich hierbei nicht um die leibeigenen, sie sind dazu gekauft, handelt es sich doch um die Brut des geliebten Weibes, behaupten steif und fest, ich käm daher, wie ein tolkien’scher Hobbit.
Das mag in ihrer Sozialisation begründet liegen, sind sie doch geprägt durch den Look, den Peter Jackson für die Völker Mittelerdes, bei seiner Interpretation des »Herr der Ringe« entwerfen ließ.

Vielleicht liegen sie aber auch gar nicht so falsch.

So wandelte ich schon immer über diese Welt, berührte mit den Füßen den Boden unseres Planeten, immer nach dem Motto: Wieso, weiß doch eh jeder wie ich rum’lauf oder genauso: Hier kennt mich ja niemand, ist also auch egal.
Und so mag es möglich sein, dass der große Cinematograph einstmals, als er sich noch mit dem Gedanken trug, ob es je möglich wäre, seine Version der Ereignisse, die uns John Ronald Reuel so liebevoll zu berichten wusste, in bewegten Bildern zu bannen, durch die Straßen der bundesdeutschen Hauptstadt wandelte, an nichts Böses denkend, meiner ansichtig wurde und entschied, so werden die Hobbits aussehen, nur sehr viel kürzer.
Doch fürchte ich, dass dies doch eher in den Bereich der Mythen und Legenden zu verweisen ist.
Auch unser Fortbewegungsmittel, das private, ist von bescheidenen Ausmaßen. Ein Mehr ist nicht vonnöten, gebrauchen wir es doch ausschließlich, um, wie nun schon mehrfach erwähnt, die Tölen aus der gewohnten Umgebung zu entreißen und ihnen den artgerechten Auslauf zu ermöglichen, oder auch unsere bescheidenen Einkäufe zurück in die heimische Wohnhöhle zu transportieren.
Gleichwohl ich einstmals, als mich noch die Tätigkeit gefangen hielt, die für eine viel zu lange Zeit, ich auszuüben gezwungen ward, durchaus größere und stärkere Vierrädrer in meinem Besitz wusste, mit denen es mir wohl gelang, für einen allzu kurzen Zeitraum, der täglichen Idiotie zu entfliehen.

So versteh ich denn auch nach wie vor die Menschen

männlicher, weiblicher, gemischter, oder viertgeschlechtlicher Gesinnung, dass sie, wenn des Tages schwere Last sie zu erdrücken droht, sich dieser Symbolik des Konsums, des PS Wahnsinns, der Präsentation sekundärer Finanzmerkmale willens, regelrecht gezwungen sehen, der eigenen seelischen Erleichterung die Schleusen öffnend, das Geld aus Taschen und durch Finger rieseln lassend, hinzugeben.
Gleicht es doch dem althergebrachten Verhalten schmucker Rittersleut, der Burgfräulein, Kaiser, Könige sich selber und die eigene Unzulänglichkeit mit einer entsprechenden Zurschaustellung ihrer glänzenden Rüstungen, hochaufgeschossnen und muskelbepackter Kriegsrösser, dem diamantenen Diadem sowie dem blankgeschrubbten güldenfarbenen Essbesteck ein kleines Bisschen aufzuwerten.

Schon bei den Jägern und den Sammlern

herrschte die Vorstellung, mein Speer ist länger, also bin ich besser, meine Beeren sind von einem strahlenderen Rot, also sind sie auch toxischer, dem Gegenüber ein echt mieses Gefühl zu vermitteln.
An dieser Stelle will ich noch den Pfau, den Paradiesvogel oder auch die Mähne des Leu heranführen, um zu beweisen, dass wir, der Mensch, als Rasse, Gattung, Art, obwohl wir uns selber gerne »Krone der Schöpfung« heißen, als Virus, Krankheit, Parasit auf dieser Welt, nicht einen deut, kein Iota, nicht einen winz’gen Piktometer von unserer tierischen Herkunft weit entfernt haben.
Obgleich, einem Luxus, einer Sucht, einem Verlangen geben wir uns, die Ehefrau und ich, sehr gerne hin. Dem sinnlosen Erwerb gedruckten Schriftguts können wir nicht abschwören. Sie, die Werke fremder Dichter, werden von uns auch nicht benötigt, um der feuchter, kalter, klammer Wände Dämmung und Dichtung angedeihen zu lassen. Sie werden, die Bücher, sehr wohl gelesen, mit Notizzetteln erweitert und danach, fein säuberlich in Regale, zum sofortigen neuerliche Zugriff, aufgereiht und können bei uns eine heimelige Existenz genießen, die ihnen, in enger Plastikummantelung, zerdrückt, gepresst und aufgestapelt in dunklen Regalen finsterer Lagerhäuser niemals zuteilwerden würde.

So sei es denn für heut’ genug mit diesem kurzen, kleinen Text, diesem Pamphlet, dieser Beschreibung des schlimmsten Raubtiers auf der Welt, dazu noch meiner selbst, dem eignen Seelenheil, das wohl gegeben ist, dem Blog und Tagebuch, das doch nichts anderes ist, als eine ständige, despektierliche Betrachtung dieser Art, des Zweibeiners, der sich, ob im Film, im Buch, auf einem Bilde oder auch Gemälde, meist raubend, mordend, plündernd unter seinesgleichen und wider der Natur, so sie denn wirklich existieren mag, bewegt.