von Thomas Günter

Auf Instagram habe ich auf einem der vielen Spaßaccounts

auch den folgenden lustigen Eintrag entdeckt: Eigentlich habe ich mir die Zombieapokalypse ja mit Pump Guns und Baseballschlägern vorgestellt und nicht mit Nudeln und Toilettenpapier.
Haben wir das nicht alle? Und am Schluss fährt dann der einsame Held mit dem letzten verbliebenen V8 in den Sonnenuntergang irgendwo im Australischen Outback, oder so ähnlich.

Ich, als Schreiber dieser Zeilen und ständiger Beobachter von außen,

halte die weltweite Reaktion auf das Virus noch immer für irrational, panisch und hysterisch.
Die Folgen für die globalisierte Wirtschaft und Gesellschaft sind noch längst nicht abzusehen. Werden weiterhin, auch nach dem Ende der Epidemie die Reisebeschränkungen bestehen bleiben, da auf diese Weise, gleich dem deus ex machina in der griechischen Komödie, die Auswirkungen der Luftverschmutzung dramatisch zurückgehen. Werden wir eine neue Welle des Rassismus erleben, gegen all die, die ob ihrer Physiognomie asiatisch aussehen, aus Furcht einer von ihnen könnte eine Fledermaus verspeist haben und deswegen der zukünftige Patient Null sein?
Um nur einige der Möglichkeiten grob zu umreißen, die uns, als Menschheit, bevorstehen könnten.

Wie werden die Ergebnisse direkt vor unserer Haustüre,

im kleinen Laden nebenan erscheinen? Ich fürchte, dass, zumindest in Berlin, eine massive Welle von Insolvenzen die Sozialkassen über die Gebühr belasten wird. Und nur hier, denn wenn im Rest Europas, der Welt und der Bundesrepublik schnelle, unkonventionelle und vor allem unbürokratische Hilfe angeboten werden wird, wird diese in der Hauptstadt wie ein Stein im Treibsand verschwinden, da die Berliner Verwaltung in den letzten 30 Jahren, so lange regiert die SPD in verschiedenen Regierungskoalitionen mit, sich als unfähig erweisen wird, die Gelder auszuschütten.
Dazu gesellt sich der Umstand, dass das Verhalten der deutschen Behörden, gefördert durch unseren Föderalismus, wie so oft in der Vergangenheit schon, unkoordiniert und planlos erscheint. Der Bund, die Bundesregierung kann und darf nur Empfehlungen aussprechen, das hat in weiten Teilen große Vorteile gegenüber einer zentralistischen Verwaltung, wie wir sie beispielsweise in Frankreich vorfinden. Doch auch eben dieser Föderalismus offenbart in einer Situation wie dieser, wo seine eklatanten Schwächen zu liegen scheinen.

Jedes Bundesland erlässt unterschiedliche Maßnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten.

Da sind in einem Land bereits die Schulen geschlossen, während im Nachbarland noch alles weiter läuft, wodurch gezwungenermaßen ein reger Austausch über die Landesgrenzen hinweg stattfindet und dadurch die Schritte der einen Landesregierung umgehend ad absurdum geführt werden.
Hier schmeißt sich Berlin besonders ins Rampenlicht. Nicht nur das die Stadt, die ihren Wahlspruch durch den ehemaligen regierenden Bürgermeister, wir sind arm aber sexy, auskostet, als gäbe es kein Morgen mehr, so wird in der Hauptstadt lieber gar nicht entschieden oder wenn, dann nur sehr zögerlich und in fragwürdigem Umfang.
Natürlich kann ich verstehen das bei dem Bildungsniveau, das mittlerweile in Berlin herrscht, es nicht mehr opportun erscheinen mag, einen Warnzettel an den Eingängen der Schulen zu befestigen, der mitteilt, dass bis auf weiteres kein Unterricht stattfinden kann. Er kann ja von kaum jemandem mehr gelesen werden.

Ebenso wie die Möglichkeit im Rest der Welt,

dass der Unterricht online gestreamt wird, aber in Deutschland ist das Internet noch immer Neuland, oder wie Homer Simpson sagen würde: Das gibt es noch immer? Ich denke nicht, dass sich das durchsetzen wird.
Gleichwohl in der Berlin der Eindruck entsteht, nachdem die Stadt noch einmal ein ausschweifendes Partywochenende erleben musste, dass das Gedicht von Edgar Allan Poe, die Maske des roten Todes, viel mehr Wahres beinhaltet, als Ottonormalverbraucher es sich auch nur in seinen kühnsten Träumen auszumahlen vermag; Endzeitstimmung, wir tanzen bis in den Tod, besonders in den Kreisen der selbsternannten linksliberalen Elite.

Wie bereits oben erwähnt, halte ich noch immer die weltweite Reaktion auf das Virus für eine Massenhysterie.

Der Punkt, der mich nun aber noch viel mehr verwirrt, liegt vor allem darin, dass wenn Vorkehrungen und Maßnahmen zur Eindämmung der Infektion und Unterbrechung der Infektionsketten vorgenommen werden, dann müssen sie auch vollständig ausgeführt werden und nicht wie in Deutschland halbherzig und länderübergreifend in unterschiedlicher Intensität und Tiefenwirkung.
Erst die immer wieder plötzlichen zusätzlichen Beschlüsse schüren doch die Panik auf Seiten der Bevölkerung, dass das Geschehen doch viel umfänglicher und gefährlicher sei, als zuvor herbei geredet.
Dahingehend haben Italien und Österreich, wenn schon Vorkehrungen gegen den Ausbruch der Pandemie entschieden wurden und umgesetzt werden, mit einem daraus resultierenden logischen Lockdown, wie es im Neusprech heißt, reagiert. Frankreich und die übrigen europäischen Nationalstaaten, ebenso wie weite Teile der Welt haben gleichgezogen, nur in der Bundesrepublik wird noch immer, aneinander vorbei entscheidend, ein Maßnahmenkatalog diskutiert, der, wenn er bereits in Kraft getreten wäre, effektiv eine weitere Ausbreitung verhindern würde. Damit wären die Belastungen für das zu Grunde gesparte Gesundheitswesen leichter zu kalkulieren, die Infektionsketten wären möglicherweise bereits unterbrochen, und die Spätschäden, die das Gemeinwohl in Zukunft überrollen werden, wären mit Sicherheit milder als die, die uns nun erwarten.

Wenn es gemacht werden muss,

dann macht man es komplett und vollständig, und nicht halbherzig wie die deutsche Politik. Solche Maßnahmen haben auch nichts mit einer drohenden Gefahr eines neuen Faschismus, nichts mit Totalitarismus oder anderen vergleichbaren Schreckgebilden zu tun, die vor und bei solchen Beschlüssen gerne heraufbeschworen werden. Eine solche Handlungsweise würde die Kompetenz der Verantwortlichen beweisen, Entscheidungen, auch wenn sie in der augenblicklichen Situation unliebsam erscheinen mögen, zu treffen. Das würde eher Vertrauen schaffen, als Unmut hervorrufen, doch, besonders in Berlin, das lauthalsschreiende Schweigen, dass die Politik in weiten Teilen erklingen lässt, beweist, dass sie den Bezug zur Realität nicht herstellen können oder wollen, aus Furcht und Angst im folgenden Wahlkampf vielleicht zu unterliegen.
Beenden wir also die Hamsterkäufe, ziehen uns in unserer Wohnungen zurück, bieten dem Virus die Stirn, indem wir selber die Infektionskette unterbrechen und zeigen all denen, die das System am Laufen halten, in den Krankenhäusern, in den Apotheken und Supermärkten, der Polizei und der Feuerwehr unsere Solidarität und unser Mitgefühl und verfallen nicht in Panik, sondern nehmen der Regierung einfach die Entscheidung ab.

Aber ich sitze ja nur außen vor, in meiner kleinen Kammer, tippe diese Worte mit Hilfe der Tastatur des Computers ins Neuland des Internetzes und wundere mich über die Welt da draußen.