von Thomas Günter

 

Und wir sind mittendrin.

Der Corona-live-Ticker des Fernseh- und Nachrichtensenders n-tv informiert uns sekündlich über die neuesten Entwicklungen. Darunter auch über die Tatsache, dass der Pornokanal Pornhub nun allen Italienern einen Gratispremiumaccount zur Verfügung stellt. Das ist wichtig, das ist systemimmanent. Die Tatsache, dass wenn die Menschen durch eine Quarantäne an ihre Häuser und Wohnungen gebunden sind, sie sich einfach mal wieder mit ihrer Familie beschäftigen könnten oder ein Buch läsen, wird unter den Tisch fallen gelassen. Stattdessen sollen sich alle selbst befriedigen können.
Banale Wahrheiten wie eine ausreichende Körperhygiene werden zu neusten Erkenntnissen stilisiert und mit einer Inbrunst veröffentlicht, die sich kein Satiriker oder Karikaturist ausdenken könnte. Und wenn, würde eine solche Geschichte sicherlich als zu unglaubwürdig wieder aus dem Programm gestrichen werden.

Deutschland, bisher eher lethargisch im Umgang mit dem Virus,

wird nun ebenfalls ab nächster Woche die Schulen und Kindergärten bundesweit schließen. Der nächste Schritt, die Beendigung des öffentlichen Lebens wird sicherlich bald folgen.
In Italien, das aus bisher noch nicht geklärten Ursachen bei diesem Virus eine höhere Letalitätsrate aufweist, beginnt in den Krankenhäusern mit der Triage, ganz so, als wäre eine Naturkatastrophe oder ein Krieg über das Land hinein gebrochen.
Jeder einzelne Tote ist zu bedauern, das steht außer Frage, den dahinter stehen viele Schicksale. Dennoch dürfen wir nicht außer acht lassen, dass abgesehen von einigen Wenigen, statistisch bisher jede Grippewelle mehr Todesopfer gefordert hat und auch in Zukunft fordern wird.

Noch immer hamstern die Bewohner

unseres Landes nach Allem, wessen sie habhaft werden können. Kurios dabei ist der Sachverhalt, das Toilettenpapier zu den begehrtesten Artikeln gehört. Mir ist nicht ganz klar, warum, aber vielleicht wollen sie nur vorsorgen, dass im Fall der Fälle sie als Mumie entsorgt werden könnten, das scheint mir die plausibelste Erklärung darzustellen.
Um aber überhaupt noch etwas zu erhalten, muss man selber sich ebenso an die Gepflogenheiten anpassen und Vorräte anlegen, man selber und die geliebten Fellnasen sollen ja nicht dem kläglichen Hungertod erliegen.
Mich jedoch, als Verfasser dieser Zeilen treibt nun eine ganz andere Sorge um. Das Verhalten der Menschen nicht nur draußen in Stadt und Land, sondern in weiten Teilen auf dieser blauen Perle mitten im Nichts des Universums, ist irrational und panisch. Die Überlegungen die zu diesen Schlüssen führen, stellen eine Überreaktion, gleich eines anaphylaktischen Schocks eines Organismus dar, der eben auf einen unbedeutenden Reiz mit gesteigertem Rubor, Tumor und Calor reagiert.
Wenn jedoch eine ernsthafte Bedrohung diese Welt heimsuchen sollte, wie beispielsweise eine vergleichbare Ausbreitung des Ebola Virus, oder eine neue Pestepidemie, derer wir auf Grund der Multiresistenzen der Stämme durch den Antibiotikaabusus nicht mehr Herr werden würden, wie würde die Menschheit dann reagieren? Wären Bürgerkriege, Verteilungskämpfe wie sie uns in postapokalyptischen Filme à la Mad Max präsentiert werden, dann die Regel?
Haben die, die diese im Moment so brüchig erscheinende Macht in ihren Händen halten und sich Regierung nennen, doch recht mit ihrer Meinung, dass, sollte es zu einem Kontakt mit einer fremden, außerirdischen Spezies kommen, oder ein Planetenkiller aus den Tiefen unseres Sonnensystems auf die Welt zurasen, wir als Spezies nicht darauf hingewiesen werden sollten, da als Folge einer solchen Nachricht die gesamte Menschheit in eine Massenhysterie verfiele.

Offenbar sind wir doch nicht so weit entwickelt, wie wir es uns in unserer Hybris immer gerne vorstellen.

Das schürt zumindest die Hoffnungen, dass der angestrebte Transhumanismus, also die Verbindung von Mensch und Maschine, doch noch in weiter Ferne liegt. Denn die Niedrigstromkreise solcher Systeme würden sicherlich bei einem solchen panischen verhalten durchbrennen.
Auf Instagram werden noch immer, außer einigen lustigen Sprüchen zur aktuellen Panik, nach wie vor mehr oder minder hübsche Fotos und unansehnliche Selfies mit überdimensionierter Schnute gepostet. Erst wenn die ersten Bilder mit aufgebrochenen, eitrig suppenden Geschwüren auftauchen, ist es wirklich an der Zeit zu überlegen, wie man dieser Zombieapokalypse entkommen könnte oder ob es überhaupt erstrebenswert wäre.
Gleichzeitig beschert uns jenes Verhalten in diesen Tagen die Erkenntnis, dass die Umweltbelastungen, besonders in China, aber auch in anderen Teilen der Welt, die seit Jahren so angeprangert werden, in kurzer Zeit so weit zurückgegangen sind, das Luftverschmutzungen und Umweltbelastungen in einem Maß gesunken sind, das vorher nicht vorstellbar erschien.
Vielleicht sollten wir also, die Panik und die Hysterie in Bezug auf viel mehr Themen, zurückfahren, uns für einen kurzen Augenblick zurücklehnen, nachdenken und zu dem Schluss kommen, dass einmal im Jahr, vielleicht für den Zeitraum von 14 Tagen, die gesamte Erde in ihrem Konsum und Energieverbrauch angehalten werden sollte. Vergleichbar einem Heilfasten in der Zeit vor dem Osterfest, und auf diese Weise die Probleme, die wir wirklich haben und die wir kennen, aber erfolgreich ignorieren, zu einer Lösung bringen, die sich für alle Menschen als hilfreich erweisen könnte, nicht nur für die hypertrophen westlichen und östlichen Industrienationen und den nach immer Mehr gierenden Schwellenländern.

Aber wer bin ich schon, der ich nur außen vorstehe, mit den Beinen baumle und mich wundere und fürchte, nicht nur vor Deutschland in der Nacht, sondern vor dem gefährlichsten Raubtier und Virus, das dieser Planet jemals hervorgebracht hat, dem Menschen.