Tag fünfzehn, an dem das Wetter besser ist und wir draußen sind:

Der Sturm ist vorüber und einem lauen Lüftchen gewichen. Noch tobt und wütet die See, aber von den ungezügelten Kräften der beiden vorangegangenen Tage ist kaum mehr als eine Erinnerung geblieben.

Hund und Mensch nutzen die Möglichkeit,

die aufgestaute Energie, vor allem die des Vierbeiners, er ist noch jung und überbordend, wenigstens in Teilen wieder abzubauen.
Wir wandeln über den Meeresboden, entlang der ewigen Grenze der Gezeiten. Die Fellnase springt, in Freiheit entlassen, freudig zwischen all dem angespülten Strandgut. Bald schnüffelt er an einem abgerissenen Bündel Algen, um sofort danach den Kadaver eines armen toten Seevogels, der den Wintersturm nicht überstand, zu untersuchen. Letzteres scheitert an dem kläglichen Versuch des Dosenöffners, eine etwaige Wälzaktion zu unterbinden.

Die, in allen Grauschattierungen gefärbten Wolken treiben träge über den winterlichen Himmel.

Der Spaziergang wird ausgeweitet, mit einem strammen Marsch quer durch die Insel, um den Hund, an der Leine, die Option zu eröffnen, mit Wollust den Spuren der Hasen zu folgen, und damit seiner urtümlichen Bedeutung, die er vor Jahrtausenden innehatte, gerecht zu werden und Fährten zu lesen.
Nach ausgiebiger Frischluftaktivität und gerade noch abgewendeter Sauerstoffvergiftung, führen uns unsere müden Pfoten und Füße zurück in die Ferienwohnung.

Der kleine Hund braucht seine Zwischenmahlzeit,

schließlich ist er zu mager, bei einem Multiallergiker ist es aber auch verdammt schwierig ein paar Gramm Gewicht auf die herausstehenden Rippen zu bekommen.
Für den Moment ist der ausgelaugte Geist befriedigt, hängt träge auf der Bettstatt und glotzt TV. Fernsehen ist ein solcher Zeiträuber.
Gleich dem heutigen Arbeitsleben, jagt man von Sender zu Sender, ohne Ruhe zu finden, immer von der Hoffnung getrieben, etwas Sinnvolles zu sehen und gleichzeitig nichts zu verpassen. Ein perfekter Spiegel unserer Zeit.
Endlich erklingt der Signalton des Smartphones, ein Anruf der geliebten Ehefrau, und unterbricht die Eintönigkeit des Sendermarathons. Ihre Frage warum ich nicht läse, beantworte ich mit einem Sinnfreien, schließlich vernachlässigte ich ja auch die Körperpflege, außer dem täglich dreimaligen Zähneputzen.

Ich sei doof, wird mir beschieden,

und sie hoffe nur, dass ich in keine näheren Kontakte mit anderen Erholung suchenden Homo sapiens träte. Was soll ich das noch weiter ausführen, wie immer hat mein Weib recht.
Im nächsten Satz überrascht und entsetzt sie mich mit der Bemerkung, dass ich, in Hinblick auf eine größere Reichweite und das erlangen einer Leserschaft mich endlich mit all den sozialen Netzwerken anfreunden müsse. Ich könne ja den Urlaub und die freie Zeit, die ich momentan zur Verfügung habe, dazu nutzen, wenn ich schon nicht läse, in die Untiefen von Facebook, Fressenbuch, wie ein enger Freund es nennt, Instagram und Twitter eintauchen. Außerdem solle ich mir Gedanken über einen zukünftigen Internetauftritt machen, wie ich ihn mir vorstellte.
Wenn ich ehrlich bin, gar nicht. Und die Auseinandersetzung mit dieser Form der neumodischen Kommunikationsmittel erschreckt mich ein wenig.
Ich fürchte aber, dass ich mich von der romantischen Vorstellung des Schriftstellers verabschieden muss. Nicht unbedingt wie in dem Gemälde »Der arme Poet« von Carl Spitzweg. Eher in die Richtung des umfassend gebildeten Schreibers, der geistreich zu jedem Thema eine launige Bemerkung zum Besten geben kann. Der in neuer wie in antiker Literatur bewandert ist, genauso wie in den Naturwissenschaften, in die er sich einließt, zur Recherche oder nur aus reinem Interesse und Vergnügen an Wissen.
Das Thema freies Autorentum ist in der heutigen Zeit ein Haifischbecken, in dem sich eine unüberschaubare Anzahl Skribenten tummelt. Ein jeder mit der Hoffnung, eine ausreichende Leserschaft zu erreichen.
Qualität ist nicht mehr das ausschlaggebende Kriterium, und unsere Verlage greifen lieber auf bewährte, vor allem ausländische, Autoren zurück, bei denen ein gewisser finanzieller Erfolg vorprogrammiert ist, oder sie legen bereits kommerziell potente Bücher ein ums andere Mal neu auf. Sie haben nur wenig bis keinen Mut auf unbekannte eigene Schreiberlinge zu setzen, wie ich bereits selber am eigenen Leib mehrfach erfahren musste.

Ich möchte nicht behaupten, dass ich ein neuer, unbedingter Nobelpreisträger bin,

ich möchte auch nicht reich werden mit meinen Kritzeleien, ein einfaches Auskommen reichte mir, befriedigt mich doch das Tippen meiner kleinen Geschichten in den Computer auf eine erstaunliche Weise, aber Rechnungen wollen bezahlt sein, man muss essen und die Töle braucht auch was zum Beißen.
Ich verstehe das Anliegen meiner Frau absolut und unbedingt, allein, die Auseinandersetzung damit bereitet mir Kopfschmerzen.
Ich bin zwar in der Lage ein Heimnetzwerk aufzubauen, einen Computer neu aufzusetzen und verschiedene Komponenten zu integrieren, alles Dinge, die haptisch sind, die ein gewisses Unvermögen an technischem Verständnis voraussetzten, aber diese Möglichkeiten, die das Internet 2.0 bietet, waren mir schon immer unheimlich.
Das liegt zu einem gerüttet Maß an der Tatsache, dass ich für meine Person diese Möglichkeiten bisher nie genutzt habe, keinen Sinn darin sah, mich Anderen, auf diese Weise, über mein Leben mitzuteilen, und lieber ein Lexikon zur Hand nehme, als im Netz, außer auf Wikipedia, nach Dingen suche; ausgenommen davon sind Technikshops, ich gestehe.

Mir grauts und ich schlafe schlecht.