von Thomas Günter

Wellcome back Home.

So wurden einst die amerikanischen Soldaten, die aus dem Zweiten Weltkrieg, die Koreakrieger und auch die armen Schweine, denen in Südostasien heftig zugesetzt worden war, empfangen.

Wir sind gestern Nachmittag auch zurückgekehrt.

Nach Hause, nach Berlin, in die Hektik, den Lärm und den Gestank der Großstadt. Nun haben wir uns zum Glück in keinem Krisengebiet, keiner Kampfzone oder den Auswirkungen einer Naturkatastrophe befunden, sondern haben die die Kinder in Pforzheim besucht.
Bei mir sind es ja nur Beutekinder (ich find den Begriff herrlich, es umschreibt perfekt, dass man die schlaflosen Nächte, das Kindergeschrei und die Sorgen um einen entzündeten Blinddarm nicht teilen muss, sondern dass man gleich mit voll ausgebildeten Menschen seine Freude hat. Man kann sich normal unterhalten, die Freuden des Alltags teilen, zusammensitzen und sich wohlfühlen, einfach eine super Zeit haben), doch das tut der Liebe keinen Abbruch.
Schließlich hat es den Großen, Sie erinnern sich, beruflich dorthin verschlagen.
Wir sind also am Freitag in aller Herrgottsfrühe, irgendwas gegen 9 Uhr am Vormittag, ist eher wie bei Familie Zickenschulze, wir kommen nicht aus dem Quark, gen Deutsch Süd-West losgefahren. Erster Halt, wenn wir in südliche Gefilde unterwegs sind, ist der Frankenwald. Die Blasen der Hunde wollen entleert werden, die der Zweibeiner ebenso, ein Kaffee muss her und nach all der Schokolade, die während der Fahrt durch die Beifahrerin, die beste Ehefrau von allen gereicht wird, schmeckt ein Salamibrot nochmal so gut. Danach wird die angeregte Nierentätigkeit ein zweites Mal belohnt und schon rauscht man wieder über den Asphalt hoch in die Fränkische Schweiz. Nicht unser Ziel aber dennoch schön.

Derweil unsere Blicke

rechts und links über die Schönheiten der Natur schweiften und wir ernsthaft überlegten, noch zwei – drei Tage in diesem Teil der Republik unsere Zelte aufzuschlagen, fiel der entsetzte Blick des Lenkers auf ein gelb leuchtendes Lämpchen auf dem Armaturenbrett, dass unwirsch mitteilte, dass irgendetwas mit der Motorsteuerung nicht so verläuft, wie die Konstrukteure des Gefährts es einstmals planten. Schöne Sch….. Vorbei wars mit der Narretei, besser mit der Vorfreude auf weitere Tage der Erholung. Nach langen Suchen fanden wir denn in Würzburg eine Werkstatt, bei der nicht jeder Freitag ab Eins jeder Seins macht, sondern die zumindest noch den Fehlerspeicher des geliebten Zerknalltreiblings auslasen. Zumindest die Weiterfahrt und auch die spätere Rückreise in heimische Gefilde sollte der Bolide noch bewältigen, so die Aussage des hilfsbereiten Werkstattmeisters.

Die sind so ganz anders als in der großen Stadt.

Hier hätten wir sicherlich sehr unfreundlich zu hören bekommen, dass so kurz vor Feierabend ja nüscht mehr jet, wa! Und dat det eene riesen Freschheit wäre, jetzte noch mit so een Anliejen su kommen, wa!!

Nicht so dorten! So viel zu Berlin, Berlin, ick ween um Dir.

Genervt und angespannt setzten wir die Fahrt fort. Das Auto hielt tatsächlich. Aber das ist eine andere Geschichte und wird später einmal berichtet werden.

Pforzheim.

Tor des Nordschwarzwalds.

Tiefste Provinz, Ansammlung architektonischer Grausamkeiten, um Wohn- und Geschäftsraum nach der Zerstörung in kurzer Zeit wieder herzurichten. Umgeben von kleinen, malerischen Ortschaften, eingebettet in die sanften Hügel des Schwarzwaldes. Fachwerkhäuser, Ruhe, Stille, die Glocken der Kirchturmuhr singen dem Lauschenden die Zeit und in der Dunkelheit ist nichts außer dem Gesang der Nachtigall zu hören.
Wer behauptet eigentlich, dass das Provinz ist? Allein das Warenangebot im dörflichen Supermarkt übersteigt das der Riesenhallen in Berlin um Längen. Sie haben Tischzeit, mehr Feiertage und stehen dennoch besser da.
Die Stadt selber wird von drei kleinen Flüsschen durchzogen, der Enz, der Nagold und der Würm. An deren Ufern lässt es sich trefflich promenieren und den lauschigen Nachmittag verbringen.

Mit den Kindern war es sowieso sehr schön.

Sie haben sich ein feines Nest errichtet, das die Mutti und den Angeheirateten sehr stolz macht. Wir haben gut gegessen, viel gelacht und wundervolle Stunden mit ihnen verlebt.
Der zweite Grund, dass wir dorthin fuhren, lag im Pforzheimer Gasometer.

Gasometer Pforzheim
Gasometer Pforzheim

Dort hat der begnadete Yadegar Asisi eins seiner Meisterwerke zur allgemeinen Betrachtung errichtet. Rom 312. Ein Panorama der Ewigen Stadt aus der Zeit als Konstantin seinen Triumphzug vollführte und das Christentum im Römischen Reich einführte.
Vielleicht erinnern Sie sich an den Geschichtsunterricht? In diesem Zeichen wirst Du siegen! Genau die Story meine ich.


Was soll ich sagen, wers nicht gesehen hat, verpasst eine beeindruckende Darstellung dessen, wozu der menschliche Schöpfergeist befähigt ist. Es ist wunderschön. Man kann Stunde um Stunde in dem Rund verbringen und entdeckt andauernd neue, liebevoll ausgearbeitete Details.
Die Vorfreude auf das kommende Werk des Meisters, eine erneute Darstellung der antiken Stadt Pergamon in Berlin wird von daher sehnsüchtig von uns erwartet. Aber wie das in der Hauptstadt so Usus ist, die Eröffnung zieht sich hin, und niemand weiß genau, wann der begierige Besucher dem Panoramabild endlich ansichtig werden darf.
Was uns das lange Wochenende jedoch verhagelte, und damit kommen wir, im wahrsten Sinne des Wortes zu des Dackels und des Boxers Kern, ist die Tatsache, dass die beiden Köter überhaupt nicht reisefähig sind. Die eine hechelt sich während der Fahrt die Lunge aus dem Leib, der andere hat erst gar keinen Stuhlgang, um dann aus Protest mehrfach zu nachtschlafender Zeit die Räumlichkeiten verlassen will, um explosionsartig das dargereichte Futter wieder der Umwelt zuzuführen. Deswegen wissen wir auch, wie still es dort ist und nur der von Shakespeare benannte Piepmatz fleißig seinen Dienst versieht.
Die Viecher sind genervt und quengelig. Sie machen sehr eindrucksvoll deutlich, wie blöd sie eine solche Aktion finden. Denn eigentlich hatten wir vor, für zehn Tage mit einem angemieteten Wohnmobil diesen Teil der Republik zu erkunden. Aufgrund der Hitze ließen wir dann diesen Plan fahren und beschränkten uns auf den kurzen Besuch bei der geliebten Brut. Zum Glück, denn eine solche Tour wäre die Hölle geworden.
Dazu kam, dass im Ländle, obgleich der Herbst noch nicht einmal Einzug hält, bereits die Winterdecken im Gasthof auf der Liegestatt ausgebreitet werden. Das Zimmer drückend warm, dazu die Wallungen, erzeugt durch Decken, die das Eis der Arktis zum Schmelzen brächten und Hunde, die die ganze Nacht am Rumeiern sind. Kurzum, uns fehlt der erholsame Schlaf aus drei Finsternissen.
Kaum sind wir zurückgekehrt, hat sich alles so schnell normalisiert, dass man ernsthaft an Einsteins Relativitätstheorie und seiner Aussage zur Lichtgeschwindigkeit zweifeln muss.
Dennoch, dieser Teil der Welt ist durchaus eine Reise wert, und es war nicht das letzte Mal, dass wir dem Erstgeborenen einen Besuch abstatten werden. Es ist schön dort, sehr schön, auch wenn wir nur an der Oberfläche gekratzt haben.