von Thomas Günter

Es ist Sonntag.

Mal wieder oder immer wieder (Auch wenn bei uns keine Erinnerungen kommen, dazu ist das Gehirn zu leer). Nach einem verfrühten oder verspäteten Ausflug am Freitagabend auf den Teufelsberg, um die illuminierte Stadt auf den Sensor und den Film zu bannen, hat es uns heute Morgen an die Grenze zwischen den Bezirken Charlottenburg und Tiergarten getrieben.

Warum verfrüht oder zu spät?

Na ja, für die goldene Stunde, mit einer wirklich dramatischen Zeichnung der Wolken, sind wir, übereilt und die Hälfte vergessend, nicht rechtzeitig aus den heimischen vier Wänden gekommen. Zu früh deswegen, da uns nichts anderes übrig blieb, als hoch oben, über den Dächern der Stadt, abzuwarten,

Funkturm
Illuminierter Funkturm

bis das gemeine Volk endlich die Abendbeleuchtung eingeschaltet hatte. Und das mit beiden Tölen, denen es waaaahnsinnig langweilig war, die lieber auf Wildschweinjagd durch den dortigen Teil des Grunewalds gezogen wären, anstatt angeleint, zu warten, bis die Dosenöffner endlich die richtige Beleuchtung gefunden hatten. Und dem männlichen Rudelführer war es zudem noch zu voll und zu laut.

Schon zu seiner Jugend in den siebziger und beginnenden achtziger Jahren,

war dieser Platz, ganz in der Nähe der Abhörstation, einer der Hotspots für den wochenendlichen Partybeginn. Nichts hat sich geändert, außer der Musik. Dieser bUmMtschaka Gangsterrap geht mir ziemlich auf die Nerven.
Deswegen sind wir heute Morgen, am Tag des Herren, am hochherrschaftlichen Sonntag, zur TU Berlin gefahren und haben den ganzen Bereich des dortigen Parks, bis zur Brücke über den Neuen See und wieder zurück fotografisch für den Augenblick eingefroren.
Dabei bietet sich die parkähnliche Innenanlage der altehrwürdigen Universität mit ihren einzelnen Gebäuden hervorragend für die Motivsuche an.

Siegessäule
Joldelse uffn Sonntach
TU Berlin
TU Berlin
Charlottenburger Tor
Charlottenburger Tor

Der Schreiberling traut sich sogar,

nach über Dreißig Jahren auf die ganz klassische, die schwarz-weiß Fotografie, zurückzukommen. Der erste Film ist bereits verschossen und die Ergebnisse waren durchaus ansprechend. Auf jeden Fall, ohne in Eigenlob zu ersticken, sehr viel besser als all die Selfies, der 15 Minuten möchtegern Selbstdarsteller.
Ich denke, dass einige ganze nette Momentaufnahmen dabei herausgekommen sind.
Die Fotos der geliebten Ehefrau, die Beste von allen, damit sie es endlich mal wissen, digital gebannt auf der Spiegelreflexkamera, werden umgehend betrachtet und bewundert.
Die des Verfassers dieser kleinen Sonntagsgeschichte, müssen erst noch in der heimischen Küche mit allerlei Tinkturen und Wässerchen, Lösungen und unter sprudelndem Quell entwickelt werden. Danach, mithilfe eines komplizierten elektronischen Vorgangs, auf die Festplatte gebannt werden, um sie dann endlich auch auf dem heimischen Bildschirm zu betrachten und die Schönsten und Besten auf den sozialen Netzwerken zu teilen.

Die Wartezeiten der Filmentwicklung

vertreibt man sich praktischerweise mit dem Backen eines Pflaumenkuchens.
Die Pflaumen sind lecker, die Göttergattin ergatterte einen schönen Beutel von einer ihrer Kolleginen. Die Dinger sind saftig, nicht verwurmt und betören mit einem echten Wohlgeschmack. Also eins, zwei fix den Thermomix angeschmissen, einen Hefeteig gezaubert, die Pflaumen entsteint und auf dem gegangenen Teig verteilt. Dann das Ganze ab in den Ofen und schon nach zehn Minuten verbreitete sich der erste Wohlgeruch in der Wohnstatt.
Zum späteren Nachmittag hin wird dann noch Sahne geschlagen und das erste Stück, also das erste Richtige, denn natürlich musste der heiße, frisch der Glut des Höllenofens entsprungene Kuchens, gleich verkostet werden. Macht vielleicht Bauchschmerzen, ist aber egal, weil extrem lecker.

Frohes Warten, bis die Bilder auf Instagram geladen werden.

Bis dahin schmatzen wir gemütlich unseren Pflaumenkuchen. Und statistisch werden sie auch ein Stück bekommen haben, da wir bestimmt mehr als eins verdrücken werden.