Um für einen dezidierten und ausgefüllten Tagesablauf zu sorgen, habe ich das Auspacken auf heute verschoben.
Jeden Tag eine wichtige Aufgabe.
Beim Leeren der Taschen und des Rucksacks muss ich bestürzt feststellen, was ich Alles in der Packaktion vergessen habe. Zwar notierte ich die benötigten Gegenstände und Utensilien auf diversen Listen und ich sehe es auch wie ein 3-D Bild in 4K Auflösung vor meinem geistigen Auge, aber es steht noch immer in der ehelichen Wohnung, außer meine Frau hat es weggestellt und ordentlich verstaut.

Die Dinge, die ich bei dieser logistischen Meisterleistung zurückließ,

waren Socken, leider im Winter nicht zu vernachlässigen, Duschmittel, im Winter nur bedingt von Nöten, es bilden sich auf diese Weise herrliche Schutzschichten und der Hund erkennt einen, auch auf größere Entfernung, sogar gegen den Wind; diverse Toilettenartikel, was dummerweise einen Großeinkauf im Drogeriemarkt nach sich zieht, ein geradezu traumatisches Erlebnis, zumindest für die Nase; diverse Lebensmittel, denn ich benötige einen bestimmten Hagebuttentee, Kaffee, beziehungsweise einen speziellen Espresso, fast nicht wieder gut zu machen; sowie diversen Kleinkram, wie ein zweites Ladekabel fürs Handy, eine SIM-Karte für das mobile W-Lan und Ersatzschnürsenkel.
Das letzte Mal, dass mir eine vergleichbare Fehlleistung unterlief, fand statt, als ich Urlaub mit Vorlauf hatte und auch damals vergaß ich mehr als die Hälfte meiner Kleidung.

In der Hetze des ewig getriebenen Alltages,

der nach der Uhr und dem Takt, vorgegeben durch Dritte, Termine und Verpflichtungen, hat mein geschundenes Gehirn solche Arbeiten nebenher und fehlerfrei erledigt.
Aber nun?
Die Einkäufe sind rasch erledigt, denn so eine Nordseeinsel ist überschaubar, bald schon steht man mit jeder Düne und jedem Grasbüschel auf Du und Du, und die Geschäfte liegen nicht so weit von einander entfernt als dass man nicht, nachdem man das eine verlassen hat und die Klinke der Tür noch in der Hand hält, metaphorisch zumindest, das Portal des nächsten Ladens bereits öffnen könnte.
Obwohl, dies ist für die meisten Kaufmannsläden nicht von Nöten, denn gerade in touristisch ambitionierten Landstrichen herrscht häufig eine übertrieben technische Ausstattung, die dem gemeinen Urlauber das Kauferlebnis verschönern und vereinfachen soll.
Das nächste Unbill, das

Sonne und Mee(h)r
Am Wattenmeer

mir widerfährt, besteht darin, dass mein hochverehrter und betagter Rucksack, mit ihm wanderte ich bereits als kleiner Pimpf durch die Hochalpen, geräuschvoll seinen Geist aufgibt. Eine weitere unnötige Ausgabe. Im Urlaub neige ich zu ausgeprägtem Geiz. Während weite Teile der Menschheit, zumindest die ferienreisende Weltbevölkerung, ungehemmt die sauer verdiente Kohle, besonders in der Sommerfrische, auf den Kopf haut, tendiere ich dazu, in meinen Reisezeiten jeden Taler mehrfach umzudrehen, ob sich der Aufwand in der Tat rentiert oder gar notwendig ist.
Von daher schiebe ich den Neukauf zunächst einmal auf.

Stattdessen gehe ich mit der Töle am Strand spazieren.

Das Wetter ist zum Helden zeugen, wenn ich nicht schon welche hätte, und starre versonnen auf die Wellen und die bedächtig heranlaufende Flut. Der Hund springt den Möwen hinterher oder erkundet den Strand, auf der Suche nach anderen seiner Art, um ungehemmt und voller Lebensfreude durch den Sand zu tollen. Er erholt sich prächtig.
Dem filigranen Geflecht eines Spinnenetzes gleich, durchzieht ein Gedanke meinen geschundenen Genius, erhol dich, streng dich an, nächste Woche bist du wieder …, aber das stimmt nicht. Meine Gattin hat mich schließlich weggeschickt, damit ich endlich aus dem Highspeed Leben herauskomme und Ruhe finde sowie die Wohnung nicht weiter verwüste. Ich muss nicht nächste Woche wieder, wenn alles so läuft, wie wir es uns ausgemahlt haben, muss ich nie wieder …

Allein, das ständig sprudelnde Adrenalin macht einen Strich durch die Rechnung und hindert die Systeme daran, sich zu entspannen.