von Thomas Günter

Und weil wir so lange nix geschrieben haben, hau ich gleich noch einen raus!!

Ich find´s ja putzig.

Das einzige andere soziale Netzwerk, das ich, wir, ernsthaft (eigentlich mehr zum Vergnügen) betreibe(n), nennt sich Instagram. Schon mal gehört? Sicherlich. Es ist die Plattform, die nicht nur ständig anfragt, ob man seine Kontakte nicht mit Facebook und dem Handy abgleichen will, sondern in erster Line der Account, auf dem die Menschheit den Augenblick einfrieren lässt und ihn mit der schnöden Welt teilt.

Der größte Teil dieser Bilder besteht aus dem immer gleichen Motiv!

Irgendetwas unglaublich künstliches, stark geschminktes und totaaaal sportliches, wahrscheinlich menschliches Wesen, stellt sich in einem Selfie, vor dem Spiegel im Sportstudio, dar und hält in den übertrieben manikürten Fingernägeln, zur Zeit recht bunt in den jeweiligen Landesfarben, weil wegens die WM und so, ein käuflich zu erwerbendes Produkt in den Händen. Ziel der Aktion besteht darin, möglichst viele Likes in Form kleiner Herzchen und Follower zu erlangen, in der Hoffnung die Industrie nimmt sie wahr und überschüttet sie dann mit weiteren Produkten die präsentiert werden wollen.

Und sie sehen alle gleich aus!!

Es gibt zum Glück noch die andere Seite. Eine wirklich große Anzahl Nutzer stellt seine Fotografien ins Netz. Traumhafte Abbildungen von Mutter Natur. Echt witzige Schnappschüsse des tierischen Begleiters, einfach tolle Fotos.

Wer hat die meisten Likes? Und wer liked am meisten?

Nun gelangen wir zum putzigen Teil. Die erst Genannten! Die Spiegelpose bedient das Herzchenfeld und folgt. Wenn der andere nicht folgt oder gar kauft, wird stante pede auch wieder entfolgt. So hart ist der Instagramdarwinismus. Like und Folg! Oder Stirb!
Und dann ist da noch die überschaubare Gruppe, zu der auch wir uns zählen, diejenigen die ein paar Bilder ihrer Umwelt posten, schöne Erinnerungen, Momentaufnahmen, von denen wir hoffen, dass sie anderen Usern gefallen und immer mal wieder eine Darstellung, als Werbung in eigener Sache sozusagen, unserer Pamphlete, Bücher, Geschichten und Veröffentlichungen.

Diese Fotos erhalten, gemäß der überschaubaren Zahl an Followern, einen recht ansehnlichen Zuspruch.

Die, mühselig mit Zeichenprogrammen zusammengeschusterten Darstellungen unserer geistigen Leistungen, erfahren sehr viel weniger Beifall. Ist nicht nur bei uns beiden so, wenn ich mir die Veröffentlichungen der »Kollegen«schar anschaue, so sieht das Verhältnis nicht anders aus. Nicht das mich das stört, ick kiecke, staune und wundere mir nur.
Das erstaunliche dabei ist jedoch, das besonders die schamhaften Versuche der Eigenwerbung vor allem von denjenigen, in diesem Fall wirklich sinnfreien Applaus erhalten, die der Sprache, in der wir uns bemühen, uns auszudrücken, nicht verstehen, da sie in der Regel aus dem anglikanischen oder südamerikanischen Sprachraum stammen und selber nur besagtes immer gleiches Bild in die Welt setzen. Sie folgen auch sogleich.

Das stimmt mich mehr und mehr nachdenklich.
Schauen sich die Leute die Bilder überhaupt an? Oder benutzen sie nur das kleine Symbol der Liebe, auf der Hatz nach der neusten Mode, aus Angst sie zu verpassen?
Ich (Thomas Günter) folge Einigen, deren Fotos so lala sind, aber die mit wundervollen Texten unterlegt sind, die zum Schmunzeln und zum Nachdenken anregen. Gedichte werden veröffentlicht, die schön, schräg und einzigartig daherkommen. Lesen die anderen das auch? Ich fürchte nein. Natürlich ist Instagram dafür nicht die vorgebliche Plattform, aber unreflektiert auf alles drücken, und selber vor dem Spiegel das immer gleiche Bild machen,

sind wir als Art, als Gattung, wirklich schon so hohl?

Oder existieren auf Instagram in der Tat zwei parallele Welten?

(Wer hat eigentlich immer „in der Tat gesagt“? Ach ja, Worf in der deutschen Synchro von Star Trek, The Next Generation.)

Dieser Beitrag enhält bewusst keine Bilder. Die können Sie sich ja, falls sie Lust haben, auf Instagram anschauen und selber urteilen.