von Thomas Günter

Ich bin ein analoger Mensch.

Das gibt mir der Computer immer wieder sehr deutlich zu verstehen.
Meine geliebte Ehefrau, die beste Ehefrau von Allen, (hab ich das schon mal erwähnt? Ich bin mir nicht sicher) hat sich, uns, eine tolle digitale Spiegelreflexkamera gekauft. So mit allem Drum und Dran.

spielende Hunde
durch taumelnde Tannen Tango tanzende tollende Tölen

Es macht einen riesigen Spaß, damit durch die Lande zu ziehen, die Natur, die Umgebung, Tango tanzende, tollende Tölen, zu beobachten und die Vierbeiner in ihrem Spielrausch abzulichten.

Canon EOS 750 D
Tolle, neue Knipse

Früher einmal, in einem Leben vor dem unsäglichen Studium und dem Beruf, habe ich, so erinnerte ich mich, sehr viel und gerne fotografiert. Die Familie nannte stolz eine Olympus OM 2 ihre Linse, durch die die Welt betrachtet wurde.

Olympus OM 2
Tolle, alte Knipse

Nachdem wir drei, oder viele Tage, die neue DSLR ausgiebig getestet hatten, jedes Rädchen, jeden Knopf, jedes Bedienfeld auf dem Touchbildschirm mit unseren unegalen Fingern verstellten, erinnerte ich mich an meinen Schatz (Nein, keine Sorge nicht so wie Smeagol/Gollum ohne Haare und mit irrem Blick).
Haste was, kannste was, verwüstete ich die elterliche Wohnung auf der Suche nach den Einzelteilen und wurde in allerlei Ecken, Schubladen und Schränckchen fündig.

Das Handy ist ja immer zur Hand,

wenn man kurz einen Schnappschuss erhascht. Aber das gezielte und beruhigende Einherschlendern auf der Suche nach einem schönen Motiv, entschleunigt.
Im Drogeriemarkt um die Ecke, zum Glück findet sich dort in einer dunklen Ecke noch immer eine Box mit Filmen und dem dazugehörigen Schlitz, abfotografierte Welche, zur Entwicklung in treue Hände fortzureichen, suhlte ich mich in Erinnerungen.
Gleichzeitig überkam mich der Wunsch, der tiefe innere Drang die eigene, eheliche Wohnung ins Chaos zu stürzen, auf der Suche nach verlorengeglaubten Kleinoden.
Und nun?
Ein Scanner muss her. Ich will die Dinger im Computer haben, sie auf Instagram teilen, für die Ewigkeit bewahren.
Der präferierte Elektronikshop führt mehrere solcher Geräte in seinem Sortiment. Aber Welches kaufen? Gleich teuer einsteigen? Lohnt sich das? Wie wird der erste Film sein, den ich mit der uralt Kamera abknipste?

Das Internet gibt auch nichts her.

Die Bewertungen liegen irgendwo zwischen der eierlegenden Wollmilchsau und dem größten Schrott, seit der Vertreibung aus dem Paradies.
Vielleicht gibt ja die Kleinanzeigenseite einer internationalen Handelsplattform, auf der man alles, von Aalräuchereien bis Zylinderstifte in gebrauchten Zustand ergattern kann, ein Angebot preis.
Jaaaaa. Für 10 Euronen, Tacken, echt kleened Jeld (darf icke, als Balina, so sajen), bin ich fündig geworden. Nun steht so eine Negativ- und Diascanner in unserem Wohnzimmer herum. Glücklicherweise nimmt das Gerät keinen Platz weg, denn es ist nicht viel größer als zwei zusammengestellte Schachteln Zigaretten. Ein Hoch auf die moderne Technik. Und flugs waren die ersten Bilder, dann die ersten alten Filme und schließlich auch noch ein paar Dias eingescannt und auf dem Computer sichtbar.
Ein gandalfsches Wunder.

Die Qualität ist in Ordnung. Für die sozialen Netzwerke reicht es aus.

Auf dem Computer, dem Handy oder dem Tablet sieht es schick aus, ich fürchte aber, dass das ganze im Zimmerkino recht krisselig sein dürfte. Es ist ja auch ein abgespecktes Gerät.
Damit nähern wir uns dem aber dem Problem. Meine Ehefrau schlug vor, dass ich die Bilder in einem entsprechenden Programm nachbearbeiten könne. Das ist sogar des Pudels Kern. Jedes Mal wenn ich den Computer einschalte und mit einem Programm etwas bearbeiten will, beschleicht mich das Gefühl, dass wiehernde, wuselige Winzlinge, mit wetzenden Waffen im Gehäuse ihr Unwesen treiben und ähnlich wie früher in einem Telefoncenter die Kabel und Verbindungen innerhalb der Rechenmaschine nach Lust und Laune umstöpseln, um sich an meiner Verzweiflung zu weiden. (Was für ein schönes Tautogramm, aber es kommt noch besser).
Keine der Funktionen führt das aus, was sie soll. Ich versuche, einen Bildausschnitt zu erstellen, der Computer oder die bösen Wichtel darin, starten das Musikprogramm. Und es sind nicht einmal Lieder gespeichert.
Wenn ich jedoch, und auch das bedeutet für mich noch, dass etwas analog läuft, ein Gerät im Netzwerk umändern möchte, neue Komponenten dazu- oder alte entfernen will, dann (Achtung, jetzt kommt es!!) Dann windet sich Windows walisch welzend und werfend wie der würdelose Wächter des weisen Wesirs willfährig zu meinen Füßen und führt alle Befehle, willig folgend, ohne zu murren, aus. (Na? War das was? Ich denke schon!)

Ich versteh´s nicht. War aber schon immer so.

Möglicherweise ist das Übel mit der Wurzel dort verbuddelt, dass ich niemals mit Programmen arbeiten musste. Kein Word, kein Excel, kein Access, nüscht, aber auch ja nüscht dergleichen.
So scanne ich den die Bilder ein, freue mich über die Erinnerungen und bin froh sie für die Ewigkeit, zumindest bis zum großen Computergau, wenn die Roboter die Weltherrschaft übernehmen, gesichert zu haben. Und wenn die Terminatoren durch die Gegend stampfen, ist es sowieso egal.
Solch wunderbare Wortwallungen fallen dem Dichter ein, wenn er mit den Hunden im strömenden Regen, die Schultern bis über die Ohren hochgezogen, durch den Wald stapft auf der Suche nach einer sicheren Furt, durch die die Wege überflutenden Pfützen.

Und jetzt noch ein paar digitalisierte Erinnerungen.

Regenbogen
Schliersee im letzten Jahrtausend
Fischerboot
Maltesisches Fischerboot, schon so lange her.
Gozo
Stürmische Brandung auf Gozo im letzten Jahrhundert.

 

Ein Gedanke zu “Analoge Welt

  1. Mich stört oft die beliebige Reproduzierbarkeit von jedem Text, jedem Bild, jedem Film, …
    Als ich vor ein paar Tagen wieder einmal etwas über Sofortbildkameras im Radio hörte, hätte ich am liebsten in die Tischkante gebissen. Ich hatte mal eine von Kodak. Das war, bevor Kodak den Prozess gegen Polaroid verlor. Und die Kodak-Sofortbilder waren viel farbbeständiger als die von Polaroid. Die Praxis, Fortschritt durch Patente zu verhindern, existiert halt schon länger und wird weiter verfeinert. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Trotz meiner nostalgischen Anwandlungen und meines Faibles für Unikate – was mache ich? Scanne meinen alten Fotoabzüge ein.

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