Der Wunsch und Wille meiner Frau sind mir Befehl. Außerdem ist es besser, aus dem Schuss zu sein, bevor noch weitere Malheure geschehen.
Ich erstelle eine Liste der Dinge, die ich und der Hund im Urlaub benötigen werden.
Ich verwerfe die Liste wieder, da ich noch gar nicht weiß, wohin uns die Reifen rollen lassen.
Die Liste wird neu erstellt mit den Grundsätzlichkeiten. Danach schreibe ich sie um, verändere, füge hinzu und streiche weg.
In meinem früheren Leben, also vor gut einer Woche, hab ich einfach meinen Krempel zusammengepackt, in´s Auto geschmissen, den Hund und die Frau dazu, und wir sind losgefahren.

Nun schreibe ich Listen. Packe ein, packe aus und packe um.

Und ich weiß, dass ich was vergessen habe. Unabhängig vom Ziel meiner Reise.
Erneut leere ich die Reisetasche, kontrolliere alles mit der, in der Zwischenzeit immensen, Zettelsammlung in meinen Händen und baue kleine Häufchen aus Wäsche, Socken, Hemden, Hosen, Büchern. Im Wohnzimmer sammelt sich, neben dem Laptop, allerlei Computerzubehör, Kabel, Adapter und Stecker. Zusätzlicher Speicher, ich war schon immer ein Speichermessie, so wie Rauchwaren.


Die Frage meiner Frau, wohin ich mit der Töle denn führe, kann ich noch immer nicht beantworten. Ich muss eine Liste erstellen, von all den Orten, die in Frage kommen.
Damit verbringe ich den Rest des Tages. Zwischendurch muss der Hund tatsächlich raus, um seine Geschäfte zu erledigen. Dieser Riss im Raum-Zeit Kontinuum passt mir jetzt gar nicht, schließlich konnte ich essentielle Entscheidungen noch nicht treffen. Wie habe ich das einstmals alles bewältigt?

Das Abendbrot muss ich auch noch vorbereiten.

Tiefkühlpizza ist, denke ich, genau das Richtige, um meinen geschundenen Geist zu besänftigen. Meine geliebte Ehefrau ist anderer Meinung und nörgelt über die ausschweifende Verwendung von Fast Food.
Mich beschleicht mehr und mehr der Eindruck, dass sie heilfroh sein wird, wenn ich endlich die gemeinsame Wohnstatt verlassen habe; zusammen mit dem Hund.
Nach dem allmorgendlichen Waldspaziergang mit dem bepelzten Vierbeiner und der Steigerung seiner sozialen Kontakte sitze ich zu Hause und habe noch immer keine Lösung der Koffer- und Taschenproblematik gefunden.
Ich schichte die Häufchen von A nach B, wieder zurück, um sie danach an C zwischen zu lagern.
Ein Anruf meiner Frau reißt mich aus der tiefen Konzentration. Sie hat sich die Freiheit genommen für den Hund und mich für drei Wochen eine Ferienwohnung an der See zu mieten. Dort hätte ich meine Ruhe, um abzuschalten und runter zu kommen, könne ausgedehnte Spaziergänge am Meer mit der Töle machen, um den Geist frei zu bekommen und es bestünde sogar die Aussicht, dass die Muse mich knutscht.
Auf meinen Hinweis hin, dass ich ausschließlich von ihr, meiner geliebten Ehefrau, maximal noch vom Köter, und nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Weibern, hießen sie auch Thalia, Klio oder Kalliope, Küsse akzeptierte, werde ich als Klugscheißer betitelt.
Das bringt mich nicht voran.
Zumindest weiß ich nun, was ich einpacken kann und soll. Am wichtigsten ist aber eine ausreichende Menge Futter für den Hund.
Somit verbringe ich den Rest des Tages mit Packen und dem käuflichen Erwerb von Bade- und Hygieneartikeln.
Am Abend lade ich meine Frau und den Hund sicherheitshalber zum Essen ein. Auf eine weitere, Nahrungsmittel bezogene, Züchtigung verzichte ich gerne.

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