Der Alltag startet mit Kaffeekochen,

denn ich möchte meiner Frau eine Freude bereiten. Der Hund schaut mich verständnislos aus verschlafenen Augen an, grunzt, dreht sich ein paar Mal im Kreis, um sich dann an der gleichen Stellen mit einem Seufzer niederzulassen und weiterzuschlafen. Seine ganze Körperhaltung drückt aus, komm ja nicht auf die Idee, jetzt schon rauszugehen.
Komme ich nicht. Ich stehe gebannt in der Küche vor dem Herd, lausche wie der Kaffee langsam durch das italienische Schraubkännchen hoch gurgelt

Bialetti Espressokanne

und ertappe mich bei dem Wunsch, dass er überkocht. Schließlich hätte ich dadurch einen hervorragenden Grund die Platten zu reinigen.
Versonnen gieße ich aufgeschäumte Milch in die Tassen, als mich ein Blitzschlag beinah zu Boden wirft.

Herd
Wenn man aus Langeweile Haushaltsgeräte fotografiert

Ich habe die Woche ungenügend geplant, denn heute steht keine Aufgabe an, außer Gassi gehen, die mich aus dem Haus führt und mich am Arbeitsleben der anderen teilhaben lässt.
Verzweifelt beruhige ich mich mit dem Gedanken, dass ich ja frei habe und loslegen könnte, meine Gedanken zu Papier, beziehungsweise auf die Festplatte des Computers zu bringen und zu Lesen.

Leise schleiche in mein Arbeitszimmer

und stoße mir als erstes schmerzhaft, gefolgt von einem lauten Poltern, den großen Zeh an einem der Bücherstapel, die ich am Vortag, zwecks Umsortierung, unbearbeitet stehen ließ. Wenigsten sind nun alle wach. Und sauer!
Ich starte den Rechner, um als erstes einen Virusscan durchlaufen zu lassen, aber die Maschine verweigert die Ausführung. Es seien zu viele derartige Aktionen in den letzten Tagen vorgenommen worden, so dass das System erst in sieben Tagen wieder frei sei. Ich nehme mir vor, eine geharnischte E-Mail zu verfassen, bei der den Programmierern hören und sehen vergeht, beginne aber zunächst meine Festplatte aufzuräumen und umzusortieren. Etwas was ich schon viel zu lange nicht mehr gemacht habe.
Ich fange an, die Dateien alphabetisch und nach Datum zu sortieren, vielleicht sollte ich eine Exceltabelle erstellen, mit der ich den Überblick behalte, noch während ich mich auf YouTube auf die Suche nach entsprechenden Lehrvideos mache, steht unerwartet der Hund, fiepend, neben mir und muss jetzt doch raus. Kann der sich Mal entscheiden?
Erstaunlicherweise ist es bereits heller Tag.
Unser Weg führt uns, wie zufällig, an der Baustelle vorbei, doch sind bereits alle Spundwände im Erdreich versenkt und keiner der Arbeiter ist zu sehen. Damit ist mir jedwede Möglichkeit genommen, kluge Ratschläge zu erteilen oder besser noch, dumme Fragen zu stellen.

Wieder zu Hause, gehe ich daran, das von mir entwickelte System zur

Küche

Optimierung der Nahrungsvorräte in unserem Haushalt zu etablieren.

Ich werde aber von der Tatsache unterbrochen, dass die Toilettenschüssel dringend einer Desinfektion bedarf und ein Berg schmutziger Wäsche der Waschmaschine harrt. (Meine Ehefrau, die Beste von Allen, ich weiß nicht ob ich es schon einmal erwähnte, hat mir strikt, unter Androhung drakonischer Strafen, untersagt, das Bad abzulichten!!! Schade, sehr schade.)
Von daher trage ich beide Unterhosen und ein Paar Socken zum Waschautomaten. Die Aufgabe erweist sich als schwieriger als zunächst erwartet, da ich durch die Küche einen komplexen Parkour von Mehl- und Zuckertüten, Honiggläsern, Nudelpackungen und Gewürzen bewältigen muss, ehe ich die Maschine erreiche.
Während ich alles in der Trommel platziere, darauf achtend, dass es so zu liegen kommt, dass keine Unwucht entsteht, fällt mir auf, dass das Spülbecken dringend einer Reinigung bedarf. Ich habe nämlich den starken Eindruck, dass sich mehrere Wassertropfen vom Hahn lösten und unkontrolliert den Boden des Beckens trafen.
Zu meinem Unglück trete ich dabei in eine Packung Frühstücksflocken, die zerreißt und den Inhalt knirschend über den gesamten Küchenboden verteilt.

Auf der Suche nach einem Handfeger stelle ich fest,

dass nichts, aber auch gar nichts in unserer Wohnung einer organisierten Planung und Ordnung zu folgen scheint.
Es ist an der Zeit, dass ich das in die Hand nehme. Und wenn ich damit fertig sein werde, dann kann ich endlich in Ruhe schreiben und lesen. Das, was ich schon immer wollte. Den großen vaterländischen Roman zu Papier bringen, oder zumindest das eine oder andere Pamphlet veröffentlichen. Und lesen.
Nachdem meine geliebte Ehefrau am Abend, nach des Tages schwerer Last im Büro, endlich im trauten Heim eingetrudelt ist, schickt sie mich und den Hund schreiend in den Urlaub. Mindestens zwei Wochen sollen wir wegbleiben.

Warum eigentlich die Töle? Die hat doch gar nichts gemacht!

5 Gedanken zu “Tag vier, an dem ich beinah das gesamte Internet löschte:

  1. Mein tiefempfundenes Beileid der Ehefrau. Als letztens der Göttergatte hilfreich beim Küchengroßputz den Vorratsschrank auf Effizienz trimmte, war ich erst erfreut, mittlerweile finde ich nur noch nach langem Suchen das Benötigte. Ich habe dafür die Bibliothek umgemodelt. Es steht 1:1, gewinnen wird aber wie immer die Entropie. Diese zu studieren könnte hilfreich sein

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