Bei der morgendlichen Gassirunde habe ich Strassenbauarbeiter beobachtet, die große Spundwände installieren. Nach nur einer Stunde Stehen war es dem Hund offenbar schon langweilig. Ich fand es sehr interessant und habe beschlossen, mich genauer mit dem Thema zu befassen, um morgen den Arbeitern Ratschläge geben zu können; oder mich mit ihnen über das Wetter, Fußball oder Motorsport zu unterhalten.

Nach dem Frühstück, einem oder mehrerer Scans des Virenschutzprogramms und der

Reinigung von Herd und Waschbecken, muss ich bemerken, dass Frau und Hund nicht anwesend sind. Erstaunlich, wie oft der Köter raus muss, seit ich nicht mehr arbeite.
Den Zettel, der auf dem Spiegel im Bad klebt und der mit dicken, roten Druckbuchstaben beschrieben ist, reiße ich unwirsch ab. Ich suche den Glasreiniger und den Brennspiritus um die mikroskopisch kleinen Klebereste großzügig zu entfernen.
Erst danach trenne ich sorgfältig den Klebestreifen vom Papier, um beide getrennt zu entsorgen. Immerhin sortieren wir unseren Müll. Erst dabei fällt mir auf, was mir offensichtlich sehr plakativ mitgeteilt werden soll. Setzt Dich hin und lies was!
Anstatt, dass meine Frau sich freut, dass ich versuche, etwas im Haushalt zu helfen, jetzt wo ich Zeit habe.
Was macht eigentlich der Virusscan? Ich denke, ich sollte das Ganze noch einmal überprüfen.

Spiegelbild

Eine große und schwierige Aufgabe steht mir heute noch bevor.

Ich muss zum Optiker, denn eine Schraube am Brillenbügel ist locker. Wenn ich großes Glück habe, stehe ich wieder im Stau und im Brillengeschäft ist es voll, so dass ich warten muss.
Tief in den Windungen meines Gehirns blitzt ein Bild, eine vage Erinnerung auf. Ältere Herrschaften, die mit ihren Rollatoren und Einkaufswägen Abends, wenn die Arbeitnehmer nach Büroschluss zum Einkauf hetzten, Supermärkte stürmen, um am Leben teilzuhaben.
Zum Glück geht es mir nicht so, schließlich bin ich noch nicht im Rentenalter und meine Zeiteinteilung ist freiwillig und gewollt. Außerdem ist es reiner Zufall, dass ich erst nach siebzehn Uhr beim Optiker aufschlage.
Während ich warte, überlege ich mir, dass, wenn ich wieder zu Hause bin, dringend noch einen Scan des Computers machen muss und außerdem das Herd und Spülbecken endlich mal einer gründlichen Reinigung bedürfen.
Nachdem ich glücklich in heimischen Gefilden gelandet bin, Frau und Hund beobachten mich skeptisch, ziehe ich mich in mein Arbeitszimmer zurück, um die Muße zu genießen.

Genüsslich ziehe ich ein Buch aus dem Regal, nach vorher reiflicher

Überlegung, setzte mich in den Sessel, und beginne zu lesen.

Das einzige Problem besteht darin, dass ich keine wirklich bequeme Position finde. Dazu kommt, dass mir bei der Suche nach einem geeigneten Werk auffiel, wie unsortiert unsere Bibliothek eigentlich ist. Von daher erhebe ich mich und beginne die Folianten und Schriften zunächst stapelweise herauszuziehen und auf dem Boden zwischenzulagern. Allmählich klassifiziere ich sie nach Themen, alphabetisch, dann nach Autoren, ebenfalls dem Alphabet folgend, und schließlich noch eine Unterteilung in deutsche und anderssprachige Schriftsteller, ebenso wie nach Geschlecht. Diese Aufgabe wird mich sicherlich einige Zeit beschäftigen.
Ich beschließe gerade, ein vergleichbares System für die Küchenschränke zu entwickeln, als meine geliebte Gattin mein Refugium stürmt, kopfschüttelnd, mit in die Hüften gestemmten Fäusten, und mich nachhaltig auffordert, mich hinzusetzten, zu lesen und nicht ein solches Tohuwabohu zu veranstalten.

2 Gedanken zu “Tag drei, an dem ich begann die Wohnung zu katalogisieren:

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