von Caterina di Montebasso

1977, die Welt wurde erschüttert. In Deutschland geschah dies erst im März 1978. Das Erfahren von Kino, die Erwartung der Erlebniswelten, die von da ab über uns hereinbrachen, änderten das Verständnis für Film grundlegend.
Ich spreche von Star Wars, Krieg der Sterne oder wie es bei mir zu Hause in Italien hieß und heißt, Guerra Stellari, che la forza sia con voi. Möge die Macht mit Euch sein. Im Sommer, den wir in diesem Jahr, wie jedes Jahr, in Lido di Jesolo bei meiner Großtante verbrachten, lief der Krieg der Sterne in den Freilichtkinos rauf und runter. Ich war immer dabei. Mit einer Flasche San Pellegrino Aranciata in der Hand, verbrachte ich die Sommerfrische gebannt vor der Leinwand.

Im Jahr darauf bekam Paramount Panik.

Sie mussten ihrem großen Konkurrenten FOX etwas entgegensetzen und erinnerten sich an die Sechziger.
Mit heißer Nadel wurde Star Trek, der Film, zusammengezimmert. Heute ein Klassiker, aber damals, zu Recht, von der Kritik zerrissen.
Aber gäbe es Star Wars nicht, wäre das Star Trek Universum um Kirk, Spock und Pille, Bones im Original, untergegangen, wie die Enterprise D im Treffen der Generationen.
Dennoch öffnete der Film das Tor für eine Reihe von Nachfolgern und neuen Serien. Star Trek lebte wieder auf und erfolgreicher als zuvor.
Immer mehr stiegen auf das Pferd auf. ABC mit Kampfstern Galactica, das wegen zu hoher Produktionskosten nach einer Staffel und einem unseligen Neustart eingestellt wurde. Glenn A. Larson schob auch gleich noch Buck Rogers hinterher, der genauso schnell wieder von den Bildschirmen verschwand.
Selbst England gab Gerry Anderson noch einmal viel Geld in die Hand, nachdem die Serie UFO gefloppt war, und ließ ihn Space 1999, Mondbasis Alpha 1, drehen. Um es am amerikanischen Markt zu platzieren wurde dieser Diamant der Fernsehgeschichte leider immer actionlastiger.

Doch mit Buck Rogers und seinen Vettern, Flash Gordon und Captain Future begann es.

Die Pulpromane und Comics aus den 30ziger und 40ziger Jahren des letzten Jahrhunderts stellten den Auftakt der Space Operas und Superhelden im Weltraum dar.
Allen voran George Lucas, ließ sich von den Helden seiner Jugend inspirieren und kreierte seine eigene Interpretation dieser Geschichten.
Er schuf, mit dem Erfolg, weltweit die Basis, dass Science Fiction als das wahrgenommen wurde, was es immer war, Welten zum Träumen, aber einen Zerrspiegel des aktuellen Zeitgeschehens.
Seit den 90zigern besteht ein goldener Boden für jedwede Art von Zukunftsvisionen. Diese Jahre bescherten uns das gesamte Franchise des Star Trek Universums. Die erste voll digital produzierte Sci-Fi Serie Babylon 5 und den Beginn von Stargate, das mittlerweile beinah so groß geworden ist wie die von Gene Roddenberry ersonnene »Föderation«.

Auch Battlestar Galactica wurde wiederbelebt,

sehr erwachsen und eher eine politische Analogie, geprägt vom Kampf Amerikas gegen den Terrorismus, als Weltraumschlachten und Übermenschen.
In Deutschland wurden die Geschichten von fernen Welten lange Zeit in den Bereich des Kinderfernsehens gerückt. Auch noch heute, besonders in der älteren Generation, hält sich dieses Vorurteil hartnäckig, »das ist doch Kinderquatsch«. Besonders schmerzlich bewusst wird es bei den Geschichten von Edmund Hamilton um Captain Future und seine Besatzung des Raumschiffs Comet. Heute genießt es zwar Kultstatus, aber das liegt vor allem an der Musik von Christian Bruhn. Ansonsten wurde es zerrissen, verleumdet und in den Nachmittag gedrängt, wo es nie hingehörte.
Nur einmal gab es, hier in Deutschland, die Ausnahme, die die Regel bestätigte, die Abenteuer von Cliff Allister McClane in Raumpatrouille. Bügeleisen und Wasserhähne als Bedienelemente im Befehlsstand. Spannend und aktueller denn je. Denn die Überwachung von TRAV und dem GSD erinnern sehr an die heutige Überwachung durch die NSA und das Sammeln unserer Lebensdaten von Google und Konsorten.
Erst in den letzten Jahren hat in den Köpfen der Verantwortlichen hierzulande ein Paradigmenwechsel stattgefunden nicht zuletzt durch den Erfolg der »The Expanse« Reihe, die auch mehr politischer Thriller als Space Opera ist .

Netflix tut ein übriges dazu,

indem es viel Geld und noch mehr Gehirnschmalz zur Hilfe nimmt und es auf den Bildschirm bringt, herausragend. Diesem Streaming Portal haben wir es auch zu verdanken, dass Star Trek weiterlebt in den Abenteuern der Discovery. Ganz neu und doch ganz im Sinne der Helden unserer Kindheit und Jugend.

 

(Foto Pixabay)