von Thomas Günter

Im Grunde weiß ich gar nicht, was ich heute schreiben soll.
Die Nachrichten geben auch nix her. Nur Leid und Tod, nur wüste Beschimpfungen und gegenseitiges Herunterputzen. Das ist auf Dauer enervierend und zieht einen nur runter.
Ich könnte darüber berichten, wie der kleine Hund mich beinah erwürgt hat, das wäre spaßig. Ich spreche nicht vom Italo Lappen, denn wir werden von zwei Hunden besessen, dem Großen und ner kleinen, süßen Motte. Ein Dackel-Terrier-Spitz-Mix. Sie vereinigt alles Schlechte dieser Rassen in ihrem aufwühlenden Gemüt. Sie kläfft, ist stur wie ein Esel und jagt gerne, vor allem Eichhörnchen wieder rauf auf den Baum.
Aber wenn sie morgens in meinen Arm kommt, ihr Köpfchen in die Achsel kuschelt und dann noch ne Runde weiter pooft, dann geht mir das Herz auf.
Sie ist schon eine ältere Dame, um nicht zu sagen steinalt. Das Herz ist mau, die Hüften kaputt, sie kommt aus einer ungarischen Tötungsstation, und Arthrose hat sie auch noch.
Deshalb wird sie die Treppe runter- aber auch hinauf getragen. Nicht nur deswegen, sie hasst es auch.

Ich bin blind wie ein Huhn auf der Suche nach einem Doppelkorn;

da ich auch noch vergesslich bin, vor allem, wo ich meine Sehhilfe deponiert habe, trage ich sie sicherheitshalber an einem Strick um den Hals. Die Brille, nicht den Hund.
Bei besagter Hauruck Aktion vergesse ich es manchmal, mir die Kuckerchen auf die Nase zu setzten oder ins, zum Beneiden volle, Haupthaar zu schieben. Und wenn es blöd läuft, dann verheddert sich der kleine Hund öfter Mal darin. Und weil sie es sowieso doof findet, versucht sie dann, die kleine Pfote wieder herauszuziehen. Dabei biegt sie auf jeden Fall die Brillenbügel um, meist zieht sich aber die Schlinge so eng um meinen Hals, dass ich blau anlaufe und mir wie Clint Eastwood in: »Hängt ihn höher!« vorkomme.
Freitags ist mein Kosmetiktag. Ich gehe zum Friseur und lasse mir den Bart abscheren. Einmal in der Woche reicht bei mir. In meiner Jugend litt ich darunter, dass die Jungs in meiner Klasse sich täglich rasieren durften und ich noch nicht einmal einen Rasierapparat mein Eigen nannte. BartSo sieht es Heutigentags, nach drei Wochen ohne Bartschermaschine, aus. Heute bin ich froh darüber, es spart so viel unnütze Zeit. Deshalb der Besuch. Seitdem ich diese Visitationen regelmäßig im Salon meines Vertrauens zelebriere, habe ich vollstes Verständnis dafür, dass der weibliche Anteil, der westlich geprägten Weltbevölkerung, solche Arrangements genießt. Den Kopf nach hinten, betüdelt werden, leise, entspannende Musik dazu, und all die Unbill draußen in der Welt für ne halbe Stunde da lassen, wo der Pfeffer wächst.

Ich könnte auch davon berichten, wie die sibirischen Temperaturen

die Republik in ihrem Klammergriff gefangen halten, das öffentliche Leben lahmlegen, bei der Berliner S-Bahn zu Signalstörungen führen und, und, und … Aber solange es keinen Brennpunkt gibt und auch das Zweite Deutsche Fernsehen nicht sein Programm für Sondersendungen unterbricht über den Wintereinfall mitten im Winter, merken Sie schließlich selber, wie kalt es da draußen ist. Also, Mütze, Handschuhe und Schal an und um den Körper gepresst und die Winterluft genießen. Das ist die Bürgerpflicht.
Jetzt hab ich ja doch noch was geschrieben. In diesem Sinne, Euch allen, da draußen in der kalten Welt, ein schönes WE oder besser, wie es in nicht WhatsApp Sprech, zum Glück, noch heißt, Wochenende.