von Thomas Günter

Warum ich keine Facebook habe. Oder wie ein Freund von mir es nennt: Fratzenbuch.
Ich bin ja erst seit ein paar Tagen so richtig online. Also nicht nur Wikipedia, Überweisungen und auf Technikshops Bilder kucken, sondern so richtig. Instagram und co. Ich habe mich dem immer bisher immer verweigert, will ich nicht, brauch ich nicht, kommt mir nicht ins Haus.
Das mag eine Frage des Alters sein, mittlerweile weit über der Hälfte des Lineals, das unsere Lebensspanne abmisst, hinaus, im fünfzigsten Dezennium, will man nicht mehr durch die Gegend laufen, das Smartphone vor der Nase und Pokémons jagen. Ich war froh, als die Phase bei den Kindern vorbei war. Nie wieder: Pikachuuuuuu!
Allein die Hoffnung stirbt zuletzt.
Mein erstes Smartphone hat der Jüngere mir eingerichtet, inklusive neuer Google Adresse, etc. etc. etc.
Vor zwanzig Jahren schickte das deutsche Beamtentum noch Faxe mit Katzenbildern, heute werden sie auf YouTube geteilt und verbreiten sich viral über den Planeten.
Wie weit die Funkstrahlen ins All reichen und Außerirdische diese Videos sehen können weiß ich nicht genau, ich denke aber, dass sie uns vor der feindlichen Übernahme der Borg (Widerstand ist zwecklos) schützen. Vielleicht haben sich durch den Konsum sogar ihre kybernetischen Gehirne aufgelöst und wir haben sogar das gesamte Universum gerettet. Wer weiß das schon.
Aber nicht das Katzenvideo ist das spaßige, sondern die Kommentarfunktion an der Seite. Die ersten fünfzehn bis zwanzig User schicken noch Herzchen und schreiben ein: Wie süüüüß!
Aber dann geht es los. Der erste Post, der behauptet, dass es in Wahrheit ein von der CIA – NSA – den Illuminaten – Außerirdischen – Reptilienmenschen – und so weiter, manipulierter Film sei, der in Wirklichkeit eine Nazi Flugscheibe, ein Treffen von Nixon mit Aliens zeigt oder die Flache-Erde-Theorie untermauert.
Die Texte sind an Komik nicht zu Überbieten und zeugen von unglaublichem Realitätsverlust und einer erheblichen Wahrnehmungsstörung.

Oder ist es das, was sie uns die Mächtigen dieser Welt tatsächlich glauben machen wollen? Wer kann das sagen?

Doch irgendwann hält die Diskussion fröhlichen Urstand auf Facebook. Ich wäre dann in einer solchen Gruppe und müsste mich aktiv beteiligen. Da würde ich die These aufstellen, dass Jean-Luc Picard und Kathryn Janeway uns vor der Borgkönigin und ihrer fiesen Brut beschützten. Daraufhin schwenkte die Diskussion um, wer die bessere Schauspielerin war, die Borgkönigin aus Star Trek: Der erste Kontakt oder die aus Voyager?
(Meine Frau sagt, ich klugscheiße schon wieder).
Das kostet Alles sehr viel Zeit und die soll ich doch fürs Bücherschreiben aufbringen.
Deswegen schau ich mir lieber Katzenvideos auf YouTube an.