Von Caterina di Montebasso

Eigentlich bin ich keine Freundin von Superheldenfilmen, egal ob Marvel oder DC. Supermann, Batman, Spiderman, schon als Kind konnte ich mit den Comicheften nicht viel anfangen.
Von jeher war ich dem geschriebenen Buch mehr zugetan oder im Kino Star Wars und Star Trek.
Heute Vormittag stellte ich fest, dass der dritte Teil der Logan Reihe, einer der ungezählten Marvel- und zahllosen X-Man Filme, auf einem der diversen Video-on-Demand Portale eingestellt ist.

Wolverine Bild

An einem trüben Sonntagvormittag, so dachte ich mir, bevor mich die Inspiration küsst, schaue ich ihn mir an und sollte er mir nicht gefallen, so könnte ich noch immer bis zum Ende vorspulen, so dass ich wenigstens wüsste, wie er ausgeht.
Jedoch, meine nicht vorhandenen Erwartungen, wurden kläglich enttäuscht und ich sah einen tollen Film. Eher ein düsterer Edelspätwestern als einer der üblichen Superheldenfilme, in denen Männer in zu engen, bunten Kinderschlafanzügen in Großstädten herumtoben und diese zu Kleinholz zerlegen. Ein anrührendes, brutales und schräges Roadmovie.
Dafne Keen, die die junge Laura spielt, eine gezüchtete Mutantin mit vergleichbaren Fähigkeiten wie Wolverine, bietet eine sehr überzeugende Darstellung eines Kindes, das mit staunendem Blick, offenen Augen und großer Skepsis und Verletzlichkeit als stupor mundi in eine Welt geworfen wird, von der sie nicht akzeptiert wird. Streicht sie in einem Moment neugierig durch einen Supermarkt und probiert eine bunte Sonnenbrille für einen Tag am Strand an, verwandelt sie sich im nächsten Augenblick in einen Alles verschlingenden, tödlichen Wirbelsturm.
Hugh Jackman, Wolverine, meistens mit Lesebrille und grauen Haaren, vieler seiner Fähigkeiten beraubt, krank, alkoholabhängig und mit konstant schlechter Laune ist in eine Vaterrolle gedrängt, die er nicht erfüllen will und doch perfekt bewältigt.
Patrick Stewart, Professor Xavier, mächtiger denn je, als seniler, nörgelnder und grantelnder Greis, ist über jeden Zweifel erhaben.
Actionsequenzen und Kampfszenen, die jedem Splatterfilm zur Ehre gereichen, wechseln sich mit ruhigen, philosophisch anmutenden Einstellungen ab, unterbrochen von absurden, fast komischen Dialogen, wie in einer Sitcom. Doch zusammengenommen ergeben sie ein ausgewogenes Ballett, bei dem nichts zu kurz kommt. Untermalt ist die gesamte Szenerie vom Wahnsinn der Alltäglichkeit, die dem Film eine erstaunliche Plausibilität und Realität verleit.
Dennoch bin ich glücklich, den Film nicht im Kino gesehen zu haben, denn es wäre mir unglaublich peinlich gewesen, wenn die anderen Besucher mich, Rotz und Wasser heulend, erlebt hätten, wie weiland bei Bambi.
Ein Filmerlebnis, ein Muss und ich will ihn auf Blu-ray haben.